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Mein Kind soll selbst entscheiden!

Lassen wir mal die Diskussion darüber, ob Vegan für Kinder schädlich sei oder nicht außer acht bzw. stellen das Thema mal mit folgendem Kommentar respektvoll zur Seite:

Ja, es gab schon Veganer, die ihre Kinder und sich selbst mangelernährt haben und es kam schon zu Problemen deswegen. Wie auch bei omnivor-ernährten Kindern.  Trotzdem wurde schon mehrfach und ausdrücklich von etlichen Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und ähnlichen Organisationen darauf hingewiesen, dass eine vegane Ernährung auch für Kleinkinder und Schwangere gesund und empfehlenswert ist, sofern natürlich richtig und bedacht durchgeführt. Dafür sprechen auch etliche gesund-fröhliche Veganerkinder, die sich ihres Lebens erfreuen und es geschafft haben auch gesunde und glückliche Erwachsene zu werden. Ok? Können wir das somit erstmal festhalten und zu dem Punkt kommen, auf den ich eigentlich eingehen möchte? Fein.

Es geht heute nämlich um die Aussage, wie Unrecht es nicht wäre Kindern die eigene Ideologie, in diesem Fall den Veganismus, aufzuzwingen. Kinder sollten selbst entscheiden dürfen. Freiheit für alle!

Nun bin ich selbst ja ganz mit Absicht kinderlos, aber doch nicht so völlig fremd in der Welt, um nicht Folgendes trotzdem bemerkt zu haben:

Eltern zwängen ihren Kindern permanent ihre eigene Ansicht vom Leben auf. Vermutlich macht das in vielen Fällen sogar echt Sinn. Wollen wir uns das mal kurz angucken?

  • wir lassen unsere Kinder weder zu früh Cola noch Kaffee trinken
  • wir versuchen unseren Kindern so lange wie möglich Alkohol und Zigaretten vorzuenthalten und lassen sie nicht mit z.B. 5 Jahren einfach mal eine Fluppe paffen
  • wir versuchen unseren Kindern klar zu machen, dass man sein Gemüse aufessen sollte. Is gesund!
  • wir schicken sie „zeitig“ ins Bett, auch wenn sie noch aufbleiben möchten
  • wir nötigen sie zumindest ab und zu, pingelig wie wir nunmal sind, ihre Zähnchen zu putzen und sich von uns waschen zu lassen, auch wenn sie grade so schön matschig sind und absolut keine Lust haben
  • wir lassen unsere 5-Jährigen auch nicht den Horror-Splatter Spätfilm angucken, auch wenn sie noch so sehr brüllen
  • wir kaufen ihnen nicht alles, was sie im Supermarkt so sehen und unbedingt haben müssen um je wieder glücklich sein zu können
  • wir bestehen darauf, dass eine ausgewogene Ernährung nicht nur aus Schokolade und Gummibärchen besteht
  • auch wenn der Glasreiniger noch so hübsch bunt ist, der wird nicht getrunken!
  • wir lassen sie nicht unbeaufsichtigt (oder überhaupt, als nicht-Mutter bin ich mir in diesem Punkt nicht so ganz sicher) auf der Autobahn spielen
  • egal wie sehr diese Entscheidung auch durchdacht wurde, wir stecken keine Gabel in die Steckdose, essen das A-A vom Hund oder ziehen jetzt zu Oma, weil Mama und Papa so doof sind und einem alles verbieten!

Sicher habe ich hier noch etwas vergessen, erfahrenere Eltern können diese Liste sicher noch um einige Punkte ergänzen.

baby

Aber warum machen wir das? Weil wir gemein, militant und unfair sind? Meine 3-jährigen Leser brüllen an dieser Stelle vermutlich ein lautstarkes „JAAAA!“

Dem Rest von euch fällt evtl. noch der ein oder andere Grund dafür ein. Wir sind uns vermutlich einig, dass wir unsere Brut im Großen und Ganzen recht lieb haben. Behaupte ich jetzt mal ganz kühn, woher soll ich es denn auch wissen?! Aber gehen wir doch einfach mal davon aus. Wir haben die Kleinen also lieb und möchten, dass es ihnen gut geht und sie vor Schaden bewahrt bleiben. Außerdem fließen dann noch ein paar persönliche, ethische Weltansichten mit ein. Schön fände ich z.B. so was wie: „Nur weil der Hüseyin ein bisschen anders spricht als du darfst du ihn trotzdem nicht an den Haaren ziehen!“ oder „Nein, wir werfen keine Steine auf Katzen!“ oder vielleicht auch „Nur weil die Mia zwei Papas hat musst du sie nicht auslachen, das ist gar nix komisches!“

Jeder Mensch hat Moralvorstellungen, die er an seine Kinder weitergibt. Das kann von „Nein, wir essen kein Schwein“ bis zu „ich lasse mein Kind gerne von einem Pfarrer in einen Wasserbottich tauchen“ reichen, oder auch nur Dinge betreffen wie „ich lasse meiner 2-jährigen Ohrlöcher schießen, weil Mädchen so was nun mal haben“ oder vielleicht „ich finde Haggis ziemlich eklig, darum gibt es das bei uns Zuhause nie!“. Beliebt ist übrigens auch so was wie „Mädchen haut man nicht!“ oder „Man tut Tieren nicht weh!“

Aha!

Manipulativ, wie ich nunmal bin, bin ich jetzt zu meinem eigentlichen Anliegen gekommen: dem Moralisieren! *Hände reib* Aber Spaß bei Seite, ihr seht schon, worauf ich hier eigentlich raus will?

Kein Mensch lässt seine Kinder einfach mal machen und lässt sich von ihnen vordiktieren, wie man sie zu erziehen hat. Man wendet immer seine eigenen Vorstellungen an und hat, bei aller Weltoffenheit, bestimmte Punkte in seiner Erziehung, von denen man nicht abweichen wird. Bleiben wir doch beim Thema und nehmen einfach mal die Tatsache, dass sicher niemand behaupten möchte, dass er sein Kind einfach mal spaßeshalber die Katze erschlagen und auseinandernehmen lässt, nur weil dem Kind grade danach ist.

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http://www.der-artgenosse.de

Und ich hoffe niemand kommt auf die Idee Eltern, die ihrem Kind diese, sicher ganz außergewöhnliche, Erfahrung nicht  ermöglichen wollen, als gestört-militante Tierrechtler zu bezeichnen. Wenn doch können wir an dieser Stelle aufhören.

Das selbe gilt wohl für die Tatsache, dass wir unsere Kinder nicht auch nur „ein bisschen“ rauchen lassen, weil es in geringen Mengen ja vielleicht nicht ganz so schädlich ist, und klein Kevin doch sooo gerne mal eine qualmt.

Bei solchen Leuten handelt es sich dann entweder um militante Nichtraucher, die einem ja aber auch so jeden Spaß vermiesen wollen, oder aber um Menschen, denen Bewusst ist, dass es sich dabei um was Schädliches handelt oder wie im Beispiel mit der Katze: um etwas ethisch nicht zu Befürwortendes.

Nachdem ich euch jetzt so clever und subtil vorbereitet habe bringe ich an dieser Stelle die Veganer ins Spiel. Die machen nämlich nichts anderes. Zum einen möchten sie den Gesundheits-Aspekt berücksichtigen, ist doch inzwischen schon längst bekannt, dass z.B. Dinge wie Wurst eher ungesund sind und die gesellschaftlich so lieb gewonne Gewohnheit dem Kevin an der Wurst-Theke ein Stück Lyoner zu reichen eigentlich nicht unbedingt sein müsste. Zum anderen sind sie sich der Tatsache mehr als bewusst, wie sehr andere für diesen Konsum leiden. Tiere. Menschen. Umwelt. Tieren tut man nicht weh. Und jetzt iss deine Bärchenwurst und trink deine Milch, um 12 gibbet zu Mittag Kalbsgeschnetzeltes.

Übrigens… wenn ihr eure Kinder tatsächlich selbst entscheiden lassen möchtet, ob sie Fleisch usw. essen wollen oder nicht, zeigt ihnen doch mal ein paar Bilder vom Schlachthof, zerschredderten Küken, gequälten Kälbchen und all die Tatsachen, die sonst noch mit dem Essen von tierischen Produkten zusammenhängen. Und fragt dann nochmal. Viele Kinder realisieren im Alltag gar nicht, was sie da wirklich essen und was das genau bedeutet. Und wenn sie es tun reagieren sie oft mit Bestürzung und Mitgefühl. Sie möchten nicht, dass Tiere verletzt oder getötet werden. Und doch will man sie oft davon überzeugen, dass es ok ist. Zum einen, weil man das selber gerne glauben möchte und zum anderen ist so ein veganes Kind natürlich fürchterlich unbequem.

4 comments on “Mein Kind soll selbst entscheiden!

  1. Stimme Dir da zu. Ist echt ein heikles Thema, denke ich, und ich bin froh, dass ich solche wichtigen Entscheidungen (noch!) nicht treffen muss. Natürlich möchte ich meine Kinder später so gesund wie möglich ernähren, aber ich sehe an meiner kleinen Nichte (16 Monate), wie stark deren Wille schon ist und wie schwer (!!!) es ist „hart“ zu bleiben (jetzt nicht ausschließlich aufs Essen bezogen). Den Kindern als gutes Vorbild voran zu gehen, ist sicher schon die halbe Miete :-).

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  2. Nutten.com 😀
    Der Herbivor. Für einen guten Start in den Tag.^^
    Ernsthaft. Ich bin ja ebenfalls keine Mami aber ich sehe es so wie du, Kinder brauchen Regeln und Werte, an denen sie sich orientieren können. Warum sollte ich mein Kind anders ernähren als mich selbst, wenn ich es doch nach besten Wissen! und Gewissen tue? Was es dann später oder woanders macht…Wie Try to get vegan sagt: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ –
    Ist eh ein bisschen schizo, dass die Leute sich mehr über Fleischlose Eltern echauffieren, als über die, die ihre Kleinkinder schon nach McDonalds schleifen und es total supi finden, wenn die Kleine schon so süß an den Pommes nuckelt???

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    • Es soll ja auch gar nicht darum gehen dem Kind die Persönlichkeit zu nehmen. Sind wir mal ehrlich, sobald die dann mal halbwegs selbst durch die Gegend flitzen machen die doch eh was sie wollen und können ihr Taschengeld zu Mc Donalds tragen. So wie ich das mitbekommen habe lassen viele vegane Eltern ihre Kids ausser Haus eh auch Fleisch essen wenn sie denn wollen. Nur daheim wirds halt nicht angeboten.

      Eine Freundin musste sich aber mal anhören „Waaas? Du würdest deinem Kind kein Hähnchen zubereiten, obwohl er sich das wünschen würde??“

      Ginge es zB um eine Katze würden die garantiert keine solchen Fragen stellen. Da ist die eigene Ethik problemlos auf deren Kinder übertragbar. Aber den Kids ein Hähnchen verweigern?? Verdammte Psychos Alter!

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  3. alles in Allem hast Du absolut Recht! Aber leider ist Kindererziehung nicht immer ganz so eindeutig und geradlinig….oft muss man Umwege gehen um ans Ziel zu kommen….gerade bei Teenagern ;), aber steter Tropfen höhlt den Stein…das ist mein Motto…und mit dem fahre ich bisher einwandfrei 🙂

    Gefällt 2 Personen

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