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Künstlich, ungesund und unnatürlich!

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Wenn du vegan lebst sind dir diese Sätze bestimmt schonmal zu Ohren gekommen. Und wenn nicht, hast du du dich evtl. schonmal dabei erwischt, wie du sowas wie das oben genannte zu jemandem gesagt oder gedacht hast?

Ich würde da heute gerne mal meinen Senf dazugeben, stellvertretend als Antwort auf all diese Sätze, die ich schon so oft lesen oder hören musste, oder von denen mir andere Veganer erzählt haben.

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Vitaminmangel

Es stimmt, bestimmte Vitamine sind nur in bestimmten Lebensmitteln enthalten. Laut dem „Bundesamt für Risikobewertung“, dass aktuell eine Umfrage und Auswertung zu dem Thema durchgeführt hat, wissen aber Veganer im Grunde ziemlich gut über diese Dinge bescheid. Der Biochemiker Mark Lohmann, der mit seiner Arbeitsgruppe dieses Thema behandelt hat, stellte fest:

„Sie sind überdurchschnittlich gut gebildet. Und verfügen über ein sehr gutes Ernährungswissen. Sie befassen sich sehr intensiv mit Gesundheits- und Ernährungsthemen und wissen auch über das Risikopotenzial Bescheid. Sie gehen auch regelmäßig zum Arzt, machen überdurchschnittlich viele Blutuntersuchungen tatsächlich. Und supplementieren auch. Das wird also nicht abgelehnt.“

Das ist auch so ziemlich das, was ich selbst so bestätigen würde. Man beschäftigt sich mit seiner Ernährung, mehr noch, als es die meisten vor ihrer Umstellung auf Vegan getan haben. Ich pesönlich habe z.B. früher nicht recherchiert, welche Vitamine und Nährstoffe denn so in welchen Lebensmitteln enthalten sind, und wie viel ich von was eigentlich so brauche. Tatsächlich habe ich, obwohl ich schon früher dachte einigermaßen gesund zu essen (zumindest wenn man die DEG als Maßstab nimmt *hust*), weit weniger wichtige Vitamine zu mir genommen als heute.

Das Bild bestätigt sich auch, wenn man eben diese Gespräche mit Nicht-Veganern führen muss. Jeder ist besorgt um meine Vitaminzufuhr. WISSEN, was mir fehlt, tut so ziemlich niemand, da den Leuten in der Regel selbst gar nicht klar ist, was sie eigentlich brauchen, wieviel sie brauchen und woher sie es bekommen. Nur das es mir fehlen muss, so viel ist sicher.

Vereinzelt hört man dann noch Dinge wie Eisen, Eiweiß oder B12. Nicht, dass sich jemand von ihnen schon jemals damit beschäftigt hätte, wo Eisen und Eiweiß eigentlich so herkommt und dass es auf veganem Weg tatsächlich lächerlich einfach ist, sich mit diesen Dingen zu versorgen. B12 ist so der lettze Strohhalm. Man weiß nicht so recht was es ist und was es tut, aber man weiß inzwischen, dass Veganer es supplementieren müssen, den Medien sei dank. Da bringen nun also Menschen das B12 Argument, obwohl sie vor der Vegan-Debatte noch niemals davon gehört haben, sollten sie nicht gerade selber an einem Mangel daran gelitten haben.

Was unter Fleischessern nämlich ebenfalls erstaunlich oft vorkommt.

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Nahrungsergänzung

Als Veganer verzichtet man auf Vitamine aus natürlichem Ursprung und haut sich das Zeug nur noch chemisch rein. Sojamilch und Vitamintabletten, so sieht unser Alltag aus.

Ja. Erwischt. Ich scherze.

Die meißten Vitamine und Mineralstoffe kann man ziemlich gut mit seiner täglichen Ernährung abdecken. Wer sich ein wenig damit beschäftigt hat das schnell raus. Man könnte z.B. mal einen kleinen Blick auf meinen >>Spickzettel<< werfen.  B12 sollte man supplementieren, da stimme ich voll zu. Ist aber auch kein großer Aufwand. Wie schon berichtet verwende ich persönlich ein Methylcobalamin-Spray, um einem Mangel, den man in der Regel erst nach vielen Jahren feststellen kann da die Reserven hier ziemlich lange halten, vorzubeugen. Aber so ins Detail möchte ich jetzt gar nicht gehen, denn darum geht es mir heute nicht.

Was für mich heute interessant ist, ist folgendes:
Diese Dinge wurden nicht für Veganer erfunden. Viele Nahrungsergänzungsmittel sind nicht mal für Veganer geeignet, weil sie tierische Inhaltsstoffe enthalten. Tatsächlich hat aber auch der omnivor-speisende Mensch nicht unebdingt selten einen Mangel an diversen Vitaminen. Nahrungsergänzungsmittel erhält man in jedem Supermarkt, findet man in etlichen Einkaufswägen. Ein bisschen Vitamin C, vor allem im Winter,  etwas Magnesium hier und ein klein wenig Eisen da. Die meisten machen es. Manche schmeißen sich sogar – Roundhouse-Kick-Mässig – die volle Ladung ein und gönnen sich die beliebten „A-Zink“ Tabletten, dann hat man gleich Ruhe und muss sich nicht noch weiter Gedanken darüber machen. Denn was in der Regel, natürlich nicht bei jedem, auf des Omnivoren Teller landet, reicht bei weitem nicht aus um sich wirklich mit allem zu versorgen, was der Körper so braucht. Erst recht wo man ja gar nicht weiß WAS das eigentlich ist. Das macht einem die Sache natürlich nicht leichter.

Ich kenne wirklich kaum einen Menschen, egal ob vegan oder nicht, der sich noch nicht an Nahrungsergänzungen versucht hat. Egal ob in Form von Lutschtabletten oder diese berühmten Brause-Tabs, die sich im Wasser auflösen. Auch vom Arzt werden diverse Vitaminpräperat-Proben gerne mal verteilt, auch an Nicht-Veganer. Das Zeug ist in Massen im Umlauf und in so gut wie jedem Haushalt in irgend einer Form zu finden.

Und vergessen wir mal nicht die armen, gebeutelten lactoseintoleranten Menschen, die nach jedem Schluck Milch und jedem Stück Käse flatulente Probleme bekommen. Aber halt, kein Problem, dafür gibt es ja auch Tabletten, damit man die Dinge, die man eigentlich nicht verträgt, doch irgendwie zu sich nehmen kann. Selbst in Reha-Küchen kam mir schon zu Ohren, die Patienten sollen gefälligst Tabletten nehmen, wenn sie keine Milchprodukte vertragen würden. Extra für diese zu kochen wäre ja viel zu umständlich.

Nahrungsergänzugsmittel und Tabletten zu nehmen ist also nichts ungewöhnliches oder gar gesellschaftlich verteufeltes – natürlich nur solange man nicht zufällig Veganer ist und B12 supplementiert. Dann ist das chemisches Teufelszeug!

Unnatürlich

Der Grundton hier ist natürlich das Argument der Unnatürlichkeit. Vegan essen z.B. ist eine furchtbar unnatürliche Geschichte, sind wir doch von Haus aus Omnivore, also „Allesfresser“ und sollten uns somit auch diesem, von der Natur so vorgegebenen, Umstand beugen.

Man könnte jetzt darauf eingehen, dass der Mensch an Unnatürlichkeit kaum zu überbieten ist, mit seinen Autos, dem Make-Up, den Haarfarben, der vom Solarium gebräunten Haut, dem Antibiotika in der Medizin (und in der Wurst), der ganzen künstlichen am-Leben-Erhalterei, der Anti-Baby-Pille, den Kondomen, der Cola, der ultrahocherhitzten Milch… ach halt. Bleiben wir doch einfach mal dabei, wo wir das hier eh schon zum Thema hatten.

Milch. Ein natürliches Produkt, absolut. Natürlich vor der Entfettung, der Pasteurisierung und Homogenisierung. Bevor man die Kühe mechanisch im Melkkarusell ihrer Milch entledigt hat. Bevor man ihr das von der Natur gegebene Kalb nahm, dessen Muttermilch man nun trinkt. Und natürlich auch vor der künstlichen Befruchtung der Kuh. Und bevor man sich als lactoseintoleranter Mensch eine Tablette eingeworfen hat. Rohmilch z.B. wird auch nur von den wenigsten Menschen konsumiert oder vertragen, zum Teil rät die WHO gar vor dem Verzehr von Rohmilch und Rohmilchprodukten ab, wegen des hohen Anteils an Krankheitserregern, was insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem (Kinder, Schwangere, Kranke…) gefährlich sein kann. Ein natürliches „Milch aus dem Euter saufen“ ist also eher nicht ratsam. Und das Bedürfnis danach werden vermutlich auch die wengisten von uns verspüren.

Merkste wat?
Klar ist Milch ein völlig natürliches Produkt und ein natürliches Lebensmittel, auch für Menschen, wenn wir unsere EIGENE Muttermilch nehmen. Das hört dann aber mit dem Verlassen des Säuglingsalters auch irgendwann auf. Denn auch wenn es jetzt abwegig klingen mag, ist Muttermilch tatsächlich von der Natur zum Stillen der Säuglinge gedacht. Dass man diese irgendwann nicht mehr produziert hat ebenfalls einen völlig natürlichen Grund – diesen Vorgang durch jährliche künstliche Befruchtung und beseitigen des „Milchdiebes“ (in dem Fall das Kälbchen…) am Laufen zu halten nimmt dem ganzen Spaß irgendwie etwas an Natürlichkeit, findet ihr nicht?

Also ja, klar, vegan zu essen entspricht womöglich nicht vollständig dem menschlichen Naturell. Nichtsdestotrotz ist es möglich, relativ einfach alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine auf veganem Wege zu sich zu nehmen und ist unterm Strich auch nicht unnatürlicher als das, was der moderne Mensch eh schon so abzieht mit seiner Ernährung.

Aber helfen könnte es. Anderen Menschen. Den Tieren. Der Umwelt. Da ist so ein bisschen B12 supplementieren doch kein großer Beinbruch.

5 comments on “Künstlich, ungesund und unnatürlich!

  1. Wow, Glückwunsch! 2,5 Jahre! Da ich selbst manchmal noch plötzlich Hunger/Appetit sogar auf Fleisch habe, weiß ich dass es durchaus nicht leicht ist und es sich schon gelegentlich (!) ein Verzicht sein kann. Aber auch mir hilft der Gedanke ans Grauen dann darüber hinweg.

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    • Ja, also rein vom Geschmack her denke ich schon auch mal an ein Steak oder so. Ich würde auch nicht behaupten, dass es mir nicht schmecken würde. Aber da man ja irgendwann die Dinge als das sieht, was sie wirklich sind, ist die Lust auf ein TATSÄCHLICHES Steak auch schon wieder vergangen. Das selbe gilt für Mich-Schokolade und ähnliches. Wenn die Illusionen einmal weg sind hat man da halt ganz andere Bilder im Kopf, zumindest geht es mir und meinem Freund inzwischen so.

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  2. Muss nochmal nachlegen, war vorhin unterwegs.
    Ich bin selber – noch – keine konsequente Veganerin, aber habe schon mit einigen Leuten darüber gesprochen dass ich es werden möchte – und habe schon dabei bemerkt wie abgefahren die Reaktionen sind.
    Ich finde es insgesamt schade, wie da Fronten entstehen, wo es doch im Grunde um eine ganz persönliche Entscheidung geht. Viele Gründe sprechen für das vegane Leben, gleichzeitig ist es klar dass so eine Entscheidung Ergebnis eines Prozesses ist. Wer noch nicht so weit ist, fühlt sich eventuell durch die bloße Anwesenheit eines Veganers irgendwie ertappt oder so – zumindest ging/geht es mir so! Vielleicht ist diese irrationale Kritik am Veganer, die Du so schön beschreibst, auch Ergebnis dieses Ertapptseins. Ich hoffe, vor allem aus Umweltschutzgründen, dass sich einfach mehr und mehr Menschen von den guten, sachlich vorgetragenen Argumenten überzeugen lassen.
    LG Birte

    Gefällt 1 Person

    • Ich kann die Reaktionen teils ja auch verstehen. Das ist zum Teil auch einfach nur ein Schutz-Reflex für seine eigene Moralansichten. Bin ja selber nicht als Veganer geboren und habe viele (echt blöde) Argumente früher selbst schon benutzt. Darum versuche ich ja immer möglichst wortreich und augenzwinkernd zu erklären, was so alles dahinter steckt.

      Bei mir ist der Groschen ja auch irgendwann gefallen, was ich früher auch nie gedacht hätte. ICH ein Veganer? Seltsamer Gedanke! Und nun habe ich seit gut 2,5 Jahren nichts tierisches mehr gegessen und das auch auf viele andere Bereiche ausgebreitet.

      Ich halte mir das Ausmaß des – man kanns nicht anders sagen – Grauens aber auch immer wieder vor Augen, das motiviert dann auch immer wieder weiter zu machen, selbst wenn man mal wieder mit VÖLLIG abstrusen Argumenten konfrontiert wird 😉

      Auf jeden Fall freue ich mich über dein Feedback, das bedeutet mir immer viel!

      Gefällt 1 Person

  3. Toller Text, danke! 🙂

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