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Ein Veganer auf der Bogenmesse

Wir schlendern durch die vollen Gänge, betrachten kunstvoll gearbeitete Bögen, kommen an einem Stand mit Kunststoff-Zielen vorbei und schmunzeln über den zähnefletschenden Pilz, den man recht oft sieht weil er sehr beliebt ist. „Für die Veganer!“ scherzt der Verkäufer, nicht ahnend, dass gerade vier davon vor ihm stehen.

Schon länger wollte ich mich mal zu meinem Hobby, dem Bogenschießen äußern. Erst recht, nachdem ich in diversen „Vegan Gruppen“, grade bei Facebook, schon mit der Frage konfrontiert wurde, ob man als Veganer denn Tiere in Computerspielen töten würde…

Fangen wir doch mal damit an. Ja. Wenn ich z.B. in World of Warcraft mit meinem Nachtelfen oder Draenei durch die Pampa laufe töte ich dort Orks, Dämonen, Untote… und eben auch Tiere.

Und auch beim Bogensport wird auf Tiere geschossen. Natürlich nicht auf echte!! Aber halt eben welche aus Kunststoff. Und es zählt für mich zu den schönsten Ausflügen auf Parcours wie z.B. nach Collenberg oder ins Sauerthal zu fahren um dort 5-6 Stunden in herrlichster Natur durch Wald und Wiesen zu wandern und auf ein paar aufgestellte Tier-Szenarien zu schießen. Mal auf Bären, mal auf Hirsche, Aggro-Pilze oder Dinosaurier. Ganz unterschiedlich. (Viel mehr Lust hätten wir ja mal auf einen Zombie Parcours, aber menschenähnliche Ziele sind derzeit leider nicht erlaubt, wobei so ein „Walking-Dead“-Teil sicher ziemlich spannend wäre…).

Und ja, wir scherzen darüber, wenn wir strikte Fleisch-Verweigerer einen Kunststoff-Hasen erlegt haben und uns deswegen freuen. Trifft man in den eingezeichneten Bereich spricht man vom „Kill“… und es hat nicht mal einen bitteren Beigeschmack für uns. Da bin ich ganz ehrlich.

Ganz klar möchte ich heute betonen, dass „Spiel“ und „Wirklichkeit“ für mich klar getrennt sind. Bei Computerspielen schießt man auf virtuelle Menschen, Tiere, Zombies, Mutanten usw. Beim Paintball oder Lasertag auch auf echte Menschen. Und beim Bogenschießen eben auf Kunststoff-Tiere. Das bedeutet NICHT, dass man in echt auch Menschen oder Tiere verletzen möchte (ok, angreifende Zombies vermutlich schon…) – oder diese gar töten würde!

NIE käme es mir in den Sinn auf ein echtes Tier zu schießen! Und Menschen, die ins Ausland fahren (hierzulande ist das zum Glück eh verboten!) um es zum Spaß zu tun rufen Abscheu in mir hervor! Aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht dabei, auf ein künstliches Ziel zu schießen.

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Unser Vereins-Übungsplatz mit festen Zielscheiben aus gepressten Holzspänen und ein paar alten Kunststoff-Tieren

Veganer und der Bogensport

Was natürlich ein „Problem“ ist, ist die Bogenschützengemeinschaft an sich. Es gibt zwar einige Veganer, die diesem Hobby nachgehen, wie ich inzwischen in diversen Foren lesen durfte, geprägt ist dieser Sport allerdings von etwas anderem: Leder! Wohin man sieht – Leder! Vor allem halt eben bei den traditionellen Bogenschützen.

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Mein aktueller Bogen: ein 30 lbs Take-Down Recurvebogen von Bearpaw „Mohican“

Armschützer, Handschuhe, Köcher, Pfeilauflagen… bevorzugt wird immer Leder, wenn es geht noch mit Fellbesatz. Da wundert es nicht, wenn die neulich von uns besuchte Messe, die „Arc Con“, nicht nur wunderschöne, handgefertigte Holz-Bögen präsentiert sondern auch Leder soweit das Auge reicht. In allen möglichen Variationen. Der Horror für mich. Aber die Leute stehen leider drauf.

 

Natürlich gibt es all diese Dinge auch aus robusten, tierleidfreien Materialien und ich selbst verwende logischerweise auch die Varianten, die mir keine Tränen in die Augen treiben. Toll wäre ja, wenn die Kork-Industrie hier mal eingreifen würde… so ein schöner Köcher aus Kork wäre wirklich ein Traum! (Tatsächlich habe auf der Messe auch Köcher aus Holz gesehen, wunderschön verziert und echt hübsch… aber für den normalen Gebrauch halt leider sehr unpraktisch)


Abschließend möchte ich einfach mal ein paar Eindrücke mit euch teilen, von unseren Ausflügen nach Collenberg usw. Es ist wirklich eine herrliche Landschaft, mit Bächen, Wäldern und Bergen. Üblich sind so etwa 30 Stationen mit verschiedenen Szenarien. Hat man das richtige Timing ist man mit seiner Gruppe auch meist ziemlich allein unterwegs und kann die Landschaft in Ruhe genießen. Da es allerdings auch ordentlich bergab und bergauf über Stock und Stein geht und sich so ein Bogen natürlich auch nicht von selber zieht ist das auch ein recht anstrengender Ausflug – aber ein wunderschöner! An manchen Stellen findet sich eine Picknick-Bank oder sonst ein Platz zum Rasten und man kann entspannt in die Sonne blinzeln und den Grillen beim Zirpen zuhören.

Schön finde ich auch, dass hier jeder auf seinen Müll achtet. Jeder packt seinen Mist wieder ein und nimmt ihn mit. Ich habe unterwegs noch nie irgendwo Müll rumliegen sehen! Auch wenn die Wege zum Teil „abenteuerlich“ sind, es wird nicht querfeldein rumgetrampelt. Und während der Brunftzeit der Hirsche bleibt der Parcour halt geschlossen. Man hat echt das Gefühl, dass hier Rücksicht auf die umliegende Natur genommen wird (ok, ab und zu geht mal ein Pfeil verloren, aber der Nächste, der ihn findet, nimmt ihn mit und bringt ihn zur Sammeltonne am Anfang des Parcours).

Ich liebe dieses Hobby und freue mich schon darauf, dass jetzt das Wetter wieder schöner ist und wir wieder loslegen können ❤

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Für alle, die sich auch für den Bogensport interessieren:

Seit neustem ist nun auch mein Tagebuch-Blog zum Thema online, mit vielen Fotos und mit der Zeit dann auch vielen Vorstellungen verschiedener Parcours.

Schaut doch mal vorbei 🙂

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6 comments on “Ein Veganer auf der Bogenmesse

  1. Nachtrag: Hab nun – im Rahmen schamloser Eigenwerbung – noch meinen neuen Neben-Blog zum Thema Bogenschießen verlinkt 🙂

    http://www.archerydiary.wordpress.com

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  2. Pingback: Von Steinbrechern und Bärlauchjägern

  3. Pingback: Mein Fazit: Lowa Outdoorschuhe

  4. Toe hat auf seiner Seite „Winkelbauer“ übrigens fast zeitgleich ein ähnliches Thema aufgegriffen, das beschreibt die Sache sehr gut und passt hier grade hervorragend rein 🙂 Vor allem der Punkt mit der inneren Ruhe tifft hier absolut zu. Schaut mal rein, lohnt sich zu lesen: https://winklbauer.wordpress.com/2017/03/20/spielen-buddhisten-killerspiele/

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  5. Gibt es ernsthaft Menschen die sich darüber aufregen, wenn man auf Plüschhasen und AggroPilze schießt? – Ach, so… blöde Frage… 😉
    Ich finde das Bogenschießen ist echt ein spannendes und faszinierendes Hobby. So wie du es beschreibst klingt es richtig romantisch und Naturverbunden und der sportliche Anteil scheint ja auch nicht zu knapp zu sein. Ist halt leicht, mit der Tüte Chips vorm PC zu sitzen und zu meckern…
    Das erste Bild sieht echt aus wie ein Werbeplakat für’s Bogenschießen, genial.
    Interessant da mal einen Einblick zu bekommen. Ich kannte Bogenschießen bisher nur aus „10 Dinge, die ich an dir hasse.“
    Liebe Grüße 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Ja klar, kennst das doch. Von so Leuten muss man aber auch Haue befürchten, weil ich hier von „Menschen und Tieren“ gesprochen habe, anstatt von „Tieren und nichtmenschlichen Tieren“. Ähem.

      Egal, ist ein ganz wundervoller Sport und ich wollte das gerne mal mit euch teilen 🙂 Wir machen das auch erst seit einem Jahr aktiv und es ist echt faszinierend was für eine tolle Natur man da geboten bekommt, so ruhig und still und nur ganz selten trifft man auf andere Menschen. Man fühlt sich richtig wild und frei *meine rote Merida-Mähne schwing*

      (10 Dinge… hach, war das ein schöner Film <3)

      Gefällt 1 Person

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