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Eine unheimliche Begegnung – mit Unseresgleichen

Nacht. Es war warm, die Grillen zirpten. Alles schien ruhig und friedlich zu sein.

Plötzlich – ein greller Blitz!

Wind kam auf, der Himmel schien auseinander zu reissen. Eine riesige Untertasse mit hundert blinkenden Lichtern trat auf die Bildfläche und dann… war es wieder still. Was darauf folgte wäre auf allen Titelseiten der Erde erschienen, wäre ununterbrochen Thema bei CNN gewesen (Naja… vielleicht nicht als Hauptthema wie so wichtige Dinge wie Kim Kardingsdas neuste Po-Vergrößerung.. aber zumindest wäre es in der kleinen Laufschrift am Bidlschirmrand aufgetaucht. Ganz bestimmt!). Aber es gab niemanden mehr, der für die Zeitung schreiben konnte. Niemanden, der die Texte für die Laufschriften bei CNN abtippt. Die Herrschaft der Menschheit über die Erde war mit einem Schlag vorbei, als SIE zu uns kamen.

Wer SIE sind und warum sie taten, was sie getan haben, wird den meisten Menschen für immer ein Rätsel sein. Zumindest für die paar Jahre, die ein Mensch in den heutigen Zeiten so lebt. Aber ich, ICH kann euch mehr berichten, denn ich bin ihnen entkommen und treibe mich seit dem in deren Lüftungsschächten herum wie eine Ratte. Ich weiß nicht wie lange schon. Aber die blubbernden-gurgelnden Laute, die ihre Sprache ausmachen, sind mir längst kein Rätsel mehr. Und darum kann ich euch heute erzählen, was ich von ihren Gesprächen belauschen konnte.


Xarkon, das gigantische blasslila Wesen mit den vielen Tentakeln dort, wo bei uns die Ohren wären, unterhielt sich mit einem… Freund? Kollegen? Auf jeden Fall sah man sie recht oft zusammen. Doch in letzter Zeit schien Yullun, das andere Wesen, unzufrieden mit der Welt zu sein.

Xarkon schnaubte: „Nun hör aber auf!! Du bist neuerdings echt anstrengend! Menschen haben keine Gefühle, das weiß doch jeder!“ Geistesabwesend kraulte er seine gefleckte Hauskuh hinterm Ohr, während er, sichtlich entnervt, auf seinen Freund einredete. Sich eine Hauskuh zu halten galt inzwischen als schick, weil sie so niedlich waren und sich so gerne kuscheln ließen. „Schau dir doch an, was die sich gegenseitig angetan haben! Was sie ihrem eigenen Planeten angetan haben! Wären wir nicht aufgetaucht wäre hier eh bald Schicht im Schacht gewesen. Das kann ja wohl keine fühlende oder gar intelligente Rasse sei. Die haben ja noch nicht mal nen Fluxkompensator!“ Er lachte verächtlich. Die Kuh wiederkäute zufrieden vor sich hin.

„Ja ich weiß…“ murmelte Yullun, „Aber trotzdem. Irgendwie kommt es mir nicht richtig vor. Ich meine, wir HABEN auf unserem Heimatplaneten doch genug zu essen… warum nehmen wir uns trotzdem immer andere Planeten vor und schlachten dort nach willkürlichen Regeln andere Lebewesen ab, nur weil sie nicht so weit entwickelt sind wie wir? Ich würde einfach nur gerne leben OHNE andere Wesen zu töten oder sie auszubeuten. UND ich hab mal gelesen, dass Menschen eine soziale Bindung zu ihren Kindern und Freunden aufbauen.“ Er schielte durch eine große Glasscheibe hinunter in eine Halle, in der die weiblichen Menschen Schulter an Schulter standen, mit Schläuchen an ihren Brüsten um ihre Milch daraus abzusaugen. Im Hintergrund wurden gerade einige, noch blutige Babys entsorgt, die von den Jung-Müttern eben erst zur Welt gebracht wurden. Die Babys schrien. Die Mütter weinten. Eine Gänsehaut überzog ihn.

Xarkon verdrehte seine acht Augen. Eins nach dem anderen, wie eine La Ola Welle. Ein beeindruckender Anblick. „Nicht DAS schon wieder. Keine Menschen mehr schlachten? Sie nicht mehr melken? Und dann? Wo bekommen wir dann unsere Milch her, hä?? Wir machen das schließlich SCHON IMMER so. UND sie sind dumm, also DÜRFEN wir das!“ Er lehnte sich zurück und schnalzte zufrieden mit einer seiner Zungen, wie er das immer machte, wenn er gerade ein unwiderlegbar logisches Argument vorgebracht hatte.

Yullun fühlte sich unwohl. Ihm gefiel das alles nicht, aber er wollte auch auf keinen Fall als EXTREM gelten. Xarkon sah seine Chance. „Außerdem…“ fügte er versöhnlich hinzu, „…außerdem würden die armen Menschen doch glatt aussterben, wenn wir sie nicht weiter züchten würden. Die könnten doch von alleine so gar nicht mehr Leben auf diesem Planeten. Das willst du doch bestimmt nicht!“ Yullun nickte. Irgendwie hatte er ja recht.


Und tatsächlich. Ganz hinten, im Pferch mit der schmalen Gasse, in der die Menschen darauf warteten, dass man sie an den Beinen aufhängt, ihnen die Kehle durchschneidet und sie ausbluten lässt, unterhielten sich zwei junge Männer, während sie dabei zusahen wie ihre Brüder und Freunde vor ihnen geschlachtet wurden. Ein paar zappelten und schrien wie am Spieß, während sie an ihrem Blut ertranken und spürten, wie man ihnen breits Gliedmaßen abtrennte. Da hatte die Betäubung mit dem Bolzenschussgerät wohl mal wieder nicht richtig funktioniert. Naja. Kommt schon mal vor.

„WEISST DU…“, sagte der eine mit erhobener Stimme, um die Schreie vor ihm zu übertönen, „ICH BIN JA ECHT FROH, DASS UNSERE SPEZIES WENIGSTENS NOCH NICHT AUSGESTORBEN IST. DAS IST SCHON IRGENDWIE ECHT NETT VON DENEN!“

7 comments on “Eine unheimliche Begegnung – mit Unseresgleichen

  1. Hast du dir die Geschichte selber ausgedacht? Das ist so gut geschrieben und ja leider auch so wahr…

    Gefällt 1 Person

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