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Veganer und ihre moralische Überlegenheit über – naja… alle anderen halt!

Nobel ist er, der Veganer. Großzügig und edelmütig. Und selbstverständlich hebt er sich moralisch von allem anderen ab, was auf diesem Planeten sonst so wandelt, isdochklar!

Warum? Ganz einfach. Er hat einfach mal so beschlossen, andere Lebewesen möglichst nicht zu töten, zu foltern, zu quälen… und gibt das auch nicht in Auftrag, damit andere es für ihn tun mögen. Nun ist das in anderen Bereichen vielleicht völlig normal und macht da noch keinen besseren Menschen draus.

Meine Mutter zum Beispiel. Die hat in ihrem GANZEN LEBEN noch NIE einen anderen Menschen ermordet! Nicht einen! Nicht mal ein bisschen. Auch nicht eingesperrt und nur mal bissel mit nem spitzen Stock gepiekst. Elender Gutmensch ey.

Und ne Freundin von mir ist tatsächlich noch NIE mit nem Knüppel in die Arktis gezogen um dort kleine Seehunde zu verprügeln. Mehr noch, die findet so was echt scheiße! Komischerweise wurde denen allerdings noch nie gesagt, sie würden das nur machen, bzw. eben nicht machen, um sich „als was Besseres“ zu fühlen.

Und äußert man sich in einer geselligen Runde, dass man es echt beschissen findet, dass z.B. junge Frauen jahrelang missbraucht und im Keller weggesperrt wurden oder kleinen süßen Tieren das Fell über die Ohren gezogen wurde, findet das in der Regel von allen Seiten große Zustimmung. Noch nie musste ich erleben, dass jemand beleidigt einwirft, dass man ja seine eigenen Moralvorstellungen nicht auf andere projizieren könne und wenn andere Spaß an Vergewaltigung oder Baby-Robben-Knüppeln hätten, dann wäre das ja wohl DEREN Entscheidung.

Aber die Veganer wieder ey… müssen es halt wie immer übertreiben. Nicht nur, dass die nach ihren eigenen Überzeugungen so gut es geht handeln, nein die sprechen diese Meinungen auch noch aus. Einfach so, vor fremden Leuten, die womöglich anderer Meinung sind. Und stellen die unmöglichsten Vergleiche an.

was-besseres
http://www.der-artgenosse.de

Wie neulich zum Beispiel, als man mich fragte, warum Veganer im Großen und Ganzen nicht einfach ihre Klappe halten könnten, dann wären sie ja halb so schlimm. Auslöser war die Meinungsäußerung eines anderen Veganers, der sich in einer thematisch passenden Foren-Diskussion beteiligt hatte. Wiekannernur! (Die Frage war übrigens, ob und warum man keine Eier essen würde, ganz allgemein)

Erklärt man dann, dass es eben Dinge gibt, die man nicht gut findet und dass es ja in vielen Bereichen völlig normal wäre, dazu Stellung zu beziehen, bekommt man oft die absurdesten Antworten darauf. (Unter anderem wurde auch mehrfach betont, man hätte gar keine moralischen Ansichten, die man vertreten würde…). Es wurde nun also gefragt, warum man denn unbedingt seine Meinung äußern müsste.

Es folgten zweierlei Szenarien.

Nummero Eins:

Ich erklärte, dass die meisten Menschen in einem Eltern-Forum ja auch nicht begeistert wären, wenn dort jemand erzählen würde, dass er regelmäßig seine Kinder mit dem Gürtel blutig schlägt, weil das für ihn die effektivste Art der Erziehung sei und das früher ja schließlich auch immer schon so gemacht wurde. Niemand würde in so einer Situation sagen: „Na ok, meins wär es nicht, aber soll er halt machen…“.

Daraufhin empörte man sich hasserfüllt darüber, wie ich so einen Vergleich anstellen könne. Da würde ich doch glatt behaupten, Fleischesser seien Kinderschänder, nur damit ich mich ihnen moralisch noch überlegener fühlen könne. Unterste Schublade!

An anderer Stelle belächelte man meine Aussage übrigens damit, dass ich das Kinder-Prügeln Beispiel nur gebracht hätte, weil es für mich etwas Falsches darstellen würde, Kinder blutig zu schlagen. Das könne ich ja aber nicht als Maßstab für andere ansehen. Auch Dinge, die man auch nur zu hören bekommt, wenn gegen Veganer argumentiert wird…

Nummero Zwei:

Es ging um meine Gegenfrage, ob man sich denn auch „moralisch überlegen“ fühlen würde, wenn man Rassismus ablehnt und das so kommuniziert.

„Nö, würde man nicht, man würde ja logisch erklären können warum Rassismus schlecht wäre. Und es wäre ja vermutlich noch nicht mal eine ‚moralische Ansicht‘, wenn man Rassiusmus schlecht findet.“

Das sind so die Momente, in denen mein Auge zu zucken beginnt. Also mal in zwei kurzen Sätzen auf den Punkt gebracht:

  • Rassismus blöd finden und logisch erklären warum man das blöd findet: ist KEINE moralische Ansicht
  • Blöd finden, dass Tiere grundlos getötet und gequält werden und logisch erklären warum man das blöd findet: Moralapostel-Alarm!

Warum genau es denn nun aber überhaupt etwas Schlechtes oder Kritikwürdiges sein soll, nach einer gewaltfreien Eisntellung zu leben und zu handeln, verstehe ich bislang noch nicht. Leid und Gewalt zu vermeiden ist ja ansonsten eine Ansicht, die von so ziemlich fast allen Menschen befürwortet wird. Handeln einzelne entgegen dieser Ansicht wird das auch relativ einstimmig als negativ eingestuft. Gegen WEN diese Gewalt NICHT gerichtet werden darf, hängt von der Zeit ab, in der man lebt. Früher war es völlig ok, Frauen, die nicht spurten, ein blaues Auge zu verpassen. Oder Homosexuelle auf der Straße zusammen zu schlagen. Oder Kinder mit dem Rohstock zu verprügeln. Oder sich Sklaven zu halten und sie zu behandeln, wie es einem grade passt. Völlig ok, ganz normal. Wer das nicht gut fand war ein irrer Spinner, ein nerviger Moralapostel der seine Meinung gefälligst für sich behalten soll, wenn er nicht als nächstes eine drauf bekommen will.

Heute ist das anders. Heute ist das – zu Recht! – alles nicht mehr in Ordnung. Diese Meinung zu vertreten gilt als völlig normal und hat nichts damit zu tun, dass man sich moralisch über andere Stellen möchte – ganz im Gegenteil. Verkündet man aber, dass man diese Gewalt zustätzlich auch nicht an Tieren auslassen sollte (mal ganz zu schweigen vom Planeten an sich und den Menschen aus ärmeren Regionen der Welt, die da noch mit drunter leiden…) ist man schon wieder in die Überlegenheits-Fallte getappt.

Die Tatsache, dass man sich ja wünscht, dass andere ebenso handeln würden wir man selbst, steht übrigens in keinerlei Konflikt mit dem Wunsch, sich als was Besseres fühlen zu können. Das ist wie die feststehende Tatsache, dass „Nutztiere“ die Welt völlig überbevölkern würden, wenn man sie nicht selbstlos schlachten und essen würde aber gleichzeitig würden sie auch noch aussterben, weil man sie ja nicht mehr züchtet. What a time, to be alive!

para.png


Was man sich hier mitnehmen sollte

Klar und deutlich möchte ich nun noch ein paar Dinge zum Ausdruck bringen – und ich spreche hier für die gesamte vegane Gesellschaft (echt jetzt, wir hatten gestern ein Meeting!):

  • NEIN, wir machen das nicht, damit IHR euch blöd fühlt oder um uns moralisch über euch zu erheben.
  • NEIN, wir möchten euch nicht runtermachen, beleidigen oder beschimpfen – nur aufklären und die Wahrheit aussprechen dürfen. Wenn euch das beleidigt solltet ihr vielleicht noch mal darüber nachdenken, warum das so ist.
  • JA, wir sind auch nicht perfekt. Hat auch niemand behauptet.
  • NEIN, nur weil wir „Tiere essen, Ausländer verprügeln und Kinder schänden“ gleichermaßen blöd finden heißt das NICHT, dass wir Fleischesser damit als Nazis und Kinderschänder bezeichnen!
  • NEIN, Veganer sind nicht automatisch die besseren Menschen. Es gibt ja auch vegane Rechtsradikale und sonstige vegane Arschlöcher. Kommt vor.
  • JA, ich finde es echt ätzend, hier von „wir“ und „ihr“ zu sprechen, damit möchte ich keine Distanz zum Ausdruck bringen. Wir sitzen alle im selben Boot und was WIR als Menschheit auf diesem Planeten anstellen geht uns ALLE was an.

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