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Das Veganmagazin, Sexismus & der Schniblo Tag

Pünktlich wie immer landete das aktuelle Veganmagazin in meinem Briefkasten. Einige haben es vielleicht schon mitbekommen; ab jetzt erscheint es auch nicht mehr alle zwei Monate, sondern jeden Monat. Dafür ist es natürlich etwas dünner als zuvor.

Heute möchte ich allerdings weniger auf den Inhalt eingehen, auch wenn wieder ein paar sehr interessante Sachen dabei waren (besonders z.B. der Beitrag von Daniel über die Verbreitung von Fake-News… solltet ihr auf jeden Fall lesen! Hat mich ziemlich aufgeregt…), sondern mich mit einem Thema beschäftigen, auf das ich vor ein paar Tagen aufmerksam wurde. Es ging um einen Beitrag, der sich auf das aktuelle Cover des Magazins bezog. Zugegeben, mir gefällt das Cover diesmal auch nicht so gut, wie das letzte zum Beispiel, aber die Vorwürfe, die dagegen erhoben wurden, gingen um etwas anderes.

Sex Sells – auch in der veganen Szene

Kritisiert wurde das freizügige und „zu stark bearbeitete“ Cover der aktuellen Ausgabe. Und auch generell wurde dem Veganmagazin vorgeworfen, mit glattgebügelten, halbnackten Schönheiten auf dem Cover auf Leserfang zu gehen. Zur Zeit fällt mir auch verstärkt die „Sexismus“ Diskussion in diversen veganen Gruppen auf, und ich denke es wird Zeit, dass ich mich auch mal dazu äußere.

Grundsätzlich: ja, natürlich ist Sexismus scheiße, da gibt es nix dran zu rütteln. Egal ob jetzt Männer oder Frauen das Opfer sind. Das ständige Drama um „zu freizügige und bearbeitete Models“ in der Werbung für vegane Produkte geht mir allerdings ziemlich auf den Keks. Klar könnte man die alle auch im Rollkragen mit Nerdbrille und nicht-weg-retuschierten-Pickeln und Doppelkinn werben lassen und auf die Cover drucken. Warum auch nicht.

Sollte ich allerdings je mal in die Verlegenheit kommen ein solches Cover zu zieren, dann wünsche ich mir tatsächlich auch, dass da jemand mit Photoshop Skills nochmal drüber arbeitet und mich ein wenig aufpoliert. Es ist eine Sache kaum geschminkt und natürlich, mit Pickel auf der Nase und glänzender Haut vor meinen Freunden zu sitzen. So auf einer Zeitschrift zu erscheinen, wo mich tausende Fremde, die mit Sicherheit nicht alle wohlwollend sein werden, sehen können, fände ich ziemlich scheiße. Gesundes Selbstbewusstsein hin oder her.

Und zur „nackten Haut“: ich störe mich tatsächlich nicht daran, wenn Männer auch mal mit blankem Oberkörper posieren oder Frauen in reizenden Outfits abgelichtet werden. Klar, „Bodyshaming“ ist auch hier wieder ein Thema, man sieht natürlich eher schlanke Menschen in solchen Posen. Als Veganer der Kategorie „eher rund und speckig als rank und schlank“ sollte mich das vermutlich mehr stören. Tut es aber irgendwie nicht. Sicher wäre es schöner, wenn das gängige Ideal wieder mehr in Richtung „natürliche Rundung“ gehen würde (und da würde ich trotzdem noch negativ rausfallen!) , aber noch schöner wäre es, wenn man überhaupt mal aufhören würde, sich über die „idealen Maße“ zu streiten. Meiner Erfahrung nach müssen sich von Natur aus sehr, sehr schlanke Menschen ja ebenfalls oft im Alltag dafür rechtfertigen oder beleidigen lassen, weil sie nun mal sind wie sie sind. Genauso ätzend.

Einziger Kritikpunkt von mir im Bezug auf die vegane Szene und „Speckbauch-Veganern“ wäre: liebe Leute, denkt beim Entwerfen von veganen, nachhaltigen Bio-Modelabels doch ein wenig mehr an uns. Ich würde so gerne bei euch Shoppen, aber sehe selbst in euren größten Größen noch eher nach Presswurst aus, zumindest wenn ich aufhöre die Luft anzuhalten und den Bauch einzuziehen 😉 

Aber zurück zum Veganmagazin. Nachdem ich nun vom Sex-Sells Vorwurf gelesen hatte ging ich die vergangenen Cover mal im Kopf durch, ich habe immerhin schon ein paar davon hier rumliegen. Auf deren Homepage findet sich auch eine komplette Übersicht. So schlimm steht es hier in meinen Augen gar nicht.

Veganmagazin_übersicht.jpg
Quelle: veganmagazin.de

Schaue ich hier über die letzten Ausgaben drüber sehe ich gerade mal drei „Sexy-Körper-betonte“ Cover (wovon einer auch ein Mann ist). Ansonsten… ja, das ein oder andere hübsche Gesicht, vermutlich nochmal mit Photoshop nachbearbeitet und ein paar „normale“ Typen. Gleichermaßen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Alarmglocken gehen da bei mir noch keine an.

Werfe ich einen Blick zum Konkurrenz-Heft „Welt-Vegan-Magazin“ sieht es ähnlich aus. Die Google-Suche brachte auf den ersten Blick folgendes:

screenshot_weltvegan
Quelle: Google-Suche

 

Auch hier sehe ich jetzt keinen großen Trend hin zu „wir zeigen fast ausschließlich heiße Hühner“. Viel mehr habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass für viele Menschen die Grenzen zwischen Sexismus und einem lockeren Umgang mit der menschlichen Sexualität  verschwimmen.

Ein weiteres Beispiel wäre hier die virale Empörung über den Fritz-Kola Beitrag zum „Schniblo„-Tag. Tatsächlich verstehe ich nach wie vor nicht, was daran sexistisch, diskriminierend, ekelhaft oder herabwürdigend sein soll.

Kurz zur Erklärung: Der „Schnitzel-Blowjob-Tag“ wurde irgendwann mal spaßeshalber als „männliches Gegenstück“ zum Valentinstag eingeführt. Ich fand das von jeher eher witzig als diskriminierend, sind doch „Blowjobs“ eigentlich nichts, was einen erwachsenen Menschen irgendwie peinlich berühren müsste. Vorausgesetzt man hat das Stadium „Haha… sie hat Penis gesagt!“ bereits hinter sich gelassen. Das Fritz-Kola dieses Thema jetzt aufgreift und ein Bild mit einem Rügenwalder Mühlen-Veggie-Schnitzel (ok, das fand ich persönlich jetzt auch ungünstig gewählt aber darum gehts ja jetzt erstmal nicht…) postet und einen „entspannten Feierabend“ wünscht kann doch nicht allen Ernstes Anlass für einem Shitstorm sein. War es aber. Ich schäme mich an dieser Stelle ehrlich gesagt fremd.

Leute. Jetzt mal im Ernst. Nur weil Sex in der Werbung verwendet wird oder sonstwie im Internet auftaucht, heißt das doch nicht, dass hier diskriminiert und herabgewürdigt wurde. Es ist eine Sache Frauen als billige Objekte darzustellen, die nur dafür gut sind hübsch auszusehen und die Beine breit zu machen. Bitches halt, mit denen man angeblich machen kann was man will.

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Erotik oder Herabwürdigung?! „Sex Sells“ ist auch ein Thema in der veganen Werbe-Welt

Eine ganz andere ist es dem Partner aus freien Stücken die „Pralinen und Blumen“ zum Valentinstag mit einem (veganen) Schnitzel und nem Blowjob zu vergelten. Ich bin mir auch fast sicher, dass so was nicht nur an diesem einen Tag passieren wird. Das heißt nicht, dass „Frauen nur dafür gut sind den Männern ein Getränk zu bringen und ihnen einen zu blasen“, wie man das in den Fritz-Kola-Kommentaren lesen konnte. (Wie ist das eigentlich in homosexuellen Beziehungen, wenn BEIDE „beschenkt“ werden können, diskriminiert man sich dann gegenseitig?)

Frauen haben mit ziemlicher Sicherheit im Großen und Ganzen auch Spaß am Sex. Und seit dem wir inzwischen in einer Position sind, das auch selbst entscheiden und äußern zu können sehe ich auch kein Problem darin, dies auch so nach außen zu tragen. Das gilt auch für Frauen die sich gerne in tollen Outfits, selbst wenn sie freizügig sind, für Cover ablichten lassen oder für Produkte werben.

Klar, die Grenzen zwischen tatsächlichem Sexismus und gesund ausgelebter Sexualität/Erotik mögen fließend sein, aber zumindest bei diesen Fällen, also die Vorwürfe gegen das Veganmagazin** als auch gegen Fritz-Kola, empfinde ich die Kritik als übertrieben und zu empfindlich (und auch äußerst humorbefreit).


Wie seht ihr das? Stört ihr euch auch an Dingen wie dem „Schniblo“-Tag oder an halbnackten Frauen/Männern in der Werbung? Oder sehe ich das komplett falsch und ich checke nur das eigentliche Problem nicht?



**Anmerkung: Ja, das Veganmagazin (allerdings nicht Fritz-Kola oder das Welt-Vegan-Magazin) gehört mit zu meinen „Blog-Sponsoren“. Diese  „Verteidigung“ beruht allerdings nicht auf dieser Tatsache, sondern entspricht einfach meiner Meinung. Wer mich kennt weiß hoffentlich, dass ich mich in meiner Meinung nicht von solchen Dingen beeinflussen lasse und die Dinge einfach so ausspreche, wie ich sie halt eben empfinde.

5 comments on “Das Veganmagazin, Sexismus & der Schniblo Tag

  1. Hej hej Sue.

    Echt cooler Beitrag!
    Finde ich gut, wie offen und deutlich du das rüber bringst.

    Finde ich auch gut und transparent, dass du deine Beziehung zum Magazin offen legst.

    LG Andreas

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön! Mir ist Transparenz in diesen Dingen auch sehr wichtig, würde ich solche Kooperationen verschweigen würde ich auf Dauer mit Sicherheit meine Glaubwürdigkeit einbüßen, und das will ich natürlich auf keinen Fall! Wünsch dir noch ein schönes Wochenende!

      Gefällt 1 Person

  2. Moinsen! Ich sehe das genauso. Es ist auch interessant, wie das Ganze völlig selbstverständlich auf Frauen bezogen wird und dabei als Reduktion „der Frau“ auf Sexgespielin begriffen wird. Wäre es jetzt ein Frauenorgasmus- oder Cunnilingus-Tag oder so etwas, dann würde mensch das wahrscheinlich als wunderweißwiefortschrittlich empfinden und NIE auf die Idee kommen, „Männer“ würden diskriminiert oder auf ihre Zunge als Sexualinstrument reduziert werden. (Männer in Tüdelchen, da theoretisch ja auch hier dann Frauen gemeint sein könnten, dies aber in der offensichtlich heteronormalen Welt jener mutmaßlich chronisch Betroffenen keine Rolle spielt)

    Gefällt 2 Personen

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