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Zum Fressen gern

Geschichten, die das Leben schrieb. Ich habe mal wieder was erlebt, das ich jetzt irgendwie verarbeiten muss, nachdem ich mir einen ganzen Abend lang hartnäckig auf die Zunge gebissen habe, um einer Freundin den Geburtstag nicht in eine vegane Diskussions-Runde zu verwandeln. Jetzt müsst halt ihr herhalten. Habter jetzt davon!

Im Grunde ist es ja eh etwas, dass man als Veganer schier ununterbrochen hört bzw. mit dem zu kämpfen hat – die Liebe zu Tieren.

Im Großen und Ganzen sind hier erstmal Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Pferde und ähnliches gemeint. Bei näherem Erfragen dann aber natürlich ALLE Tiere. Jeder hat sie lieb, keiner möchte, dass man ihnen weh tut oder sie gar selber verletzen.  Schier undenkbar. Geht man dann erfreut davon aus, dass das Gegenüber dann ebenfalls einen veganen Lebensstil pflegt, wird man meist verständnislos angeguckt. „Was hat das denn jetzt damit zu tun?“

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Der Wunsch, den Tieren nicht weh zu tun, hört nämlich dann doch schon bei so was einfachem auf wie z.B. „Ich zahle nicht dafür, dass jemand anderes für mich Tiere quält, foltert und letzendlich tötet um mir ein Schnitzel draus zu machen“.

Die Tatsache, dass man dieser Tätigkeit nicht selber nachgeht muss schon reichen. Und mehr noch, auch Menschen DIE das beruflich machen, beanspruchen für sich, die Tiere „über alles zu lieben“. Das hindert sie zwar nicht, sie z.B. jährlich zu schwängern, ihnen ihre Kinder weg zu nehmen und sie nach 5 Jahren schlachten zu lassen, wenn sie nicht mehr genug Geld einbringen. Natürlich alles im Namen der Liebe.

Aber mein aktuelles Beispiel, dass mich vor ein paar Monaten (dieser Bericht hier wartet schon länger auf Veröffentlichung… ich brauche da manchmal noch ein wenig Abstand um mich zu beruhigen) fast die Zungenspitze gekostet hatte, war folgendes:

Wir waren auf einen Geburtstag eingeladen. Da 4 von 6 Gästen tatsächlich Veganer waren, standen auch netterweise Vollkornbratlinge für die Burger mit auf dem Tisch, sowie ein veganer Scheibenkäse. Soweit so gut. Für Gäste Nummer 5 und 6 wurden normale Rinderhack-Bratlinge zubereitet, da man denen natürlich unmöglich den Öko-Bratling zumuten kann. Immer noch nicht groß erwähnenswert eigentlich.

Nach dem Essen kam ich dann aber mit einem der anderen Gäste ins Gespräch, als es darum ging, dass wir beide ziemlich in Kühe verliebt sind. Sie wäre ja völlig verrückt nach diesen wunderschönen Tieren! Sie könne an keiner vorbeigehen ohne ihr verliebte Blicke zuzuwerfen, wolle die ganze Wohnung im Kuh-Muster dekorieren und sobald sie so einem Wesen nur in die Augen sehen würde wäre die Welt für sie wieder in Ordnung. Mehr noch sagte sie später, Tiere würden so gut mit ihr klar kommen weil sie spüren würden, dass sie „Nur Liebe ausdünsten würde, das können die riechen!“.

All diese tiefgreifende Liebe konnte sie allerdings nicht daran hindern trotzdem lieber den Burger aus – haha – Rindfleisch zu essen. Irgendwo hörts halt auf.

cow

Ein Phänomen, das ich recht häufig beobachte. Unterstellt man Fleischessern und Milchtrinkern nämlich indirekt, sie würden Tiere gar nicht lieben oder gar – böse Anschuldigungen – für ihren Tod und ihre Qual mitverantwortlich sein, gibt man sich schwerst verletzt und beleidigt.

Das muss man sich mal vorstellen. Da beruft sich jemand auf die Unversehrtheit seiner Gefühle, schlicht weil man ausspricht, dass man mit dem Kauf und Konsum von Fleisch, Milch, Eiern, Leder, Pelz und so weiter eben Leid und Tod finanziert. Entsprechende Videos möchte man bitte nicht angucken, da das tierliebende Herz dann zu sehr weh tun würde. Dann lieber abwenden und eine Bratwurst vertilgen. Und sich natürlich theatralisch darüber beschweren, dass man das Leid der Tiere mit zur Last gelegt bekommen würde. Als hätte man das so GEWOLLT. Nur weil man gerne Bratwurst isst heißt das ja noch lange nicht, dass man das auch GUT findet, dass dafür Tiere gestorben sind.

Ich wünschte ja echt ich könnte sagen, dass ich hier ganz furchtbar übertreibe, dass ich diese Thematik überspitzt darstelle um meinen Standpunkt zu verdeutlichen. Leider ist das nicht der Fall. Ich gebe zu, ich meide inzwischen die üblichen und ständigen vegan-Diskussionen in Foren, so gut ich nur kann. Es ist zu deprimierend und traurig. Aber manchmal werde ich schwach und lese trotzdem mit, was so in Foren abgeht oder was in den Kommentar-Bereichen unter den entsprechenden Blogs bzw. Online-Nachrichten steht.

Also doch, ja, niemand möchte hören, dass er verantwortlich ist. Man beruft sich auf seine verletzten Gefühle, auf die Dreistigkeit des Veganers, der dem Fleischesser „Schuld“ am Tod der Tiere gibt. Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wie ich diese Tatsache anders erläutern sollte. Die bevorzugte Antwort wäre wohl „gar nicht“.

F: Warum bist du Veganer?
V: Weil ich z.B. nicht möchte, dass wegen mir Tiere getötet und gequält werden.
F: Willst du damit etwa sagen, dass ICH das will??
V: Du isst grade ein Steak, also würde ich mal sagen ‚ja‘?!
F: Frechheit!!! Nur weil ich nicht so extrem bin wie du will ich noch lange nicht, dass Tiere sterben!! Ich liebe die genau so sehr wie du und ich achte auch immer darauf wo es her kommt aber der Mensch MUSS halt Fleisch essen!!
V: Ich esse keins, genau wie viele andere Veganer auf der Welt, ich helfe dir gerne wenn du damit aufhören möchtest.
F: Und jetzt geht das Missionieren wieder los! Ich habs doch gewusst!

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http://www.der-artgenosse.de

So grob umrissen gehen solche Gespräche dann meist von statten. Man weiß wirklich nicht, was man dazu dann überhaupt noch sagen soll. Der Verweis darauf, dass man wisse, wo das Fleisch herkommt, ändert unterm Strich ja auch nichts an der Tatsache, dass die Tiere letzten Endes sterben müssen. Und wenn man die aktuellen Medien verfolgt sind selbst ausgezeichnete Qualitäts-Schlachthöfe die letzte Folterbude, wie man ja nun feststellen musste (ja Leute… auch das „Tierwohl-Siegel“ ist unterm Strich für den Arsch). Auf was bezieht sich denn das Wissen, wenn man weiß „wo sein Fleisch her kommt“? Inspiziert man den Hof persönlich, wohnt der Schlachtung bei und fragt das Vieh vorher, ob es damit einverstanden ist nun geschlachtet zu werden? Handelt es sich dabei immer um suizidale Tiere oder um welche, die sowieso grade an Altersschwäche zugrunde gehen? 

Wird nur Milch von Kühen getrunken, die freiwillig vom Bullen ihrer Träume schwanger wurden, das Kalb aufgrund eines schrecklichen Unfalls verloren haben und dafür dann ihre Milch selbstlos zum menschlichen Verzehr bereitstellen?

Wird in jedem Restaurant, jedem Schnellimbis, jedem Coffe-to-Go, jeder Kosmetikfirma, Modefirma und bei jedem Hersteller für Reinigungsmittel nachgefragt, ob deren tierische Erzeugnisse auch freiwillig vom Tier zur Verfügung gestellt wurden?

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Produkt oder Lebewesen?!

Ja klar, das mag übertrieben klingen, aber wenn man behauptet, man würde da Wert drauf legen würde mich interessieren inwiefern man das umsetzt. Ich muss da spontan an Marktkauf denken, die eine Weile vor ihrer Fleischtheke ein Schild stehen hatten „Wir haben es verstanden, artgerechte Tierhaltung ist wichtig bla, bla bla.“. Reicht das schon als „da weiß ich wo es her kommt!“?

Auf meine E-Mails, in denen ich das übrigens mal hinterfragt hatte, habe ich bis heute keine Antwort von Marktkauf erhalten. Dabei waren das ziemlich simpel gestellte Fragen wie z.B., in welchen Punkten sich ihre „artgerechte Tierhaltung“ denn von den gesetzlichen Mindestanforderungen der Nutztierhaltung  abheben würden, die übrigens so lächerlich lasch sind, dass einem die Tränen kommen.

Zum Beispiel besagen diese, dass Schweine, da sie erwiesenermaßen hochintelligent seien, auf jeden Fall ein Spielzeug bzw. eine Beschäftigungsmöglichkeit in ihrem Stall haben müssen. Wer sich da jetzt denkt „Toll, das ist ja nett!!“ dem sei gesagt: um diese gesetzliche Bestimmung zu befolgen reicht eine Hand voll Heu oder ein Stück Holz. Thats it. Viel Spaß du Sau.

Man liebt also Tiere. Man will, dass es ihnen gut geht, man will NICHT dafür verantwortlich gemacht werden, wenn man dafür bezahlt hat, dass es ihnen nicht gut geht. Und wenn man dann doch mal wegen einem blöden Veganer ein schlechtes Gewissen eingeredet bekommen hat kann man sich ja immer noch für den Tierschutz einsetzen, z.B. für Straßenhunde in Spanien. Da guck. Ich kümmer mich um Tiere. Dann werde ich sie ja wohl auch essen dürfen.

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4 comments on “Zum Fressen gern

  1. Ach liebe Sue,
    ich kann Dich soooooooo gut verstehen und mir gehen diese Diskussionen auch nur noch auf den Nerv… Manchmal deprimiert es mich so sehr, wie uneinsichtig manche Menschen sind wie unLOGISCH sie dann auch noch argumentieren. Tiere lieben und dann auf den Grill werfen… für mich ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wie Du ja weißt, wir Veganer sind einfach viel zu extrem….
    Vegan high Five!!!
    LG
    Sharon

    Gefällt 1 Person

    • Ja, der Frust-Faktor hier ist echt hoch bei diesem Thema… Man möchte sich ja eigentlich gar nicht darüber unterhalten, aber wenn es so dermaßen unlogisch wird brennt es einem dann doch oft auf den Nägeln und es rutscht doch hin und wieder der ein oder andre Kommentar raus…

      Gefällt 1 Person

  2. Danke!
    Ein richtig guter Artikel!
    Und sehr schön und unterhaltsam geschrieben 😊👍

    Gefällt 1 Person

  3. Jaja, du sprichst mir und sicher auch vielen anderen Veganern aus der Seele – wer kennt es nicht, das Dilemma: sag ich was? oder lieber nicht? Ich sehe das ganze inzwischen als Achtsamkeitsübung an und sage nur was zum Thema, wenn ich direkt gefragt werde und antworte auch nur – und wirklich nur – auf die gestellte Frage. Und auf sonst rein gar nichts. Und das mache ich nicht, weil ich persönlich keinen Stress will (den könnte ich gut aushalten, wenn es den Tieren hilft) – sondern weil es eben den Tieren mehr hilft, wenn ich es nicht sage (obwohl mir schön ausgestaltete und stichhaltige psychologische Analysen meines Gegenübers im Kopf herum schwirren, während ich oft nur mit ja oder nein antworte – doch die poste ich dann lieber bei facebook, da spreche ich dann keinen persönlich an und jeder kann so tun, als hätte er es gar nicht gelesen;) ).

    Warum hilft es den Tieren am Ende oft mehr, wenn wir weniger sagen? Weil das Gegenüber dann nicht sein Gesicht verliert, falls es doch irgendwann mal unserem Beispiel folgen möchte. Nach harten Fleischesser-Veganer-Diskussionen in sozialen Netzwerken zum Beispiel denke ich oft: schade, dass dieser Fleischesser nun so angegriffen wurde (obwohl er es vielleicht verdient hat) – der KANN ja jetzt gar nicht mehr umschwenken in absehbarer Zeit. Stattdessen möchte ich natürlich ermuntern, sich auch vertrauensvoll an mich zu wenden, wenn dann mal konkrete Fragen zur Umstellung anstehen. Verhärtete Fronten verlängern das Tierleid auf Erden. Und somit beiße auch ich mir in Gedanken oft auf die Zunge und wechsel das Thema.

    Aber immer klappt das auch nicht – und manchmal ist auch das Gegenteil richtig und angebracht, die effektivste Reaktion sorgfältig und achtsam auszuwählen, ist eben das, was ich für die Tiere tun kann. Und natürlich mir selbst zu verzeihen, wenn ich mich doch mal habe hinreißen lassen, denn dann wird es auch für irgendwas gut gewesen sein..
    LG Janine

    Gefällt 3 Personen

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