! Blog & Aktuelle Themen

3 Jahre vegan – was hat sich verändert?

Nachdem ich im Juni mein 1-jähriges Blogbestehen mit euch gefeiert habe gibt es heute wieder einen Grund für mich den Juli zu würdigen.

Denn mein Freund und ich feiern diesen Monat ebenfalls ein tolles Jubiläum – wir leben jetzt

seit 3 Jahren vegan!

Ich schwanke zwischen „Hm, ist ja eigentlich noch gar nicht so lange“ und „kommt mir irgendwie schon länger vor“. Aber plaudern wir doch einfach mal ein bisschen.


Wie kam es eigentlich dazu?

Noch vor etwa 3,5 Jahren hätte ich vermutlich niemals geglaubt mal vegan leben zu können. Wir haben immer schon viel Fleisch gegessen. Milch und Milchprodukte waren selbstverständlich für uns, ich war verrückt nach Käse und mein Frühstücksei war das Highlight der Woche.

Ich hielt mich schon immer für tierlieb und war auch schon immer ein sehr empathischer Mensch, vor allem eben wenn es um Tiere ging. Aber auf diesem Auge war ich irgendwie immer blind. Bei Bildern von Küken auf Fabriklaufbändern brach mir schon das Herz und ich musste ausschalten. Da war vom berühmten Schreddern noch nicht mal die Rede. Trotzdem waren diese Bilder für mich unerträglich – also habe ich weggesehen. Ich Depp.

Vor etwa 3 Jahren hatte mein Freund zufällig die Dokumentation „Forks over Knifes“ („Gabel statt Skalpell“) gesehen in der es – grob runter gebrochen – um den negativen Einfluss von tierischem Protein auf den Körper geht. Er schlug vor einfach mal eine Woche vegan zu leben, nur um zu gucken wie das so wäre. Diese Woche läuft noch bis heute. Der Versuch der Gesundheit zuliebe auf tierische Produkte zu verzichten kam mir gerade recht, so konnte ich auch gleichzeitig aufhören mir selbst vorzumachen, dass ich nichts vom Schicksal der Tiere wissen würde.

Wir brauchten die letzten Reste an Milch und Wurst auf und verschenkten verschlossene Packungen an meine Eltern. Und das wars. Auch wenn wir uns selbst das Hintertürchen offen hielten „ruhig auch mal ne Ausnahme machen zu können“ ist es dazu nicht mehr gekommen. Je länger wir vegan lebten desto unvorstellbarer wurde der Gedanke an eine Ausnahme. Wir fingen an uns weiter zu informieren, sahen immer mehr Filme, folgten immer mehr Webseiten. Nachdem ich dann endlich „Earthlings“ gesehen hatte gab es für mich kein Zurück mehr. Spätestens jetzt wurde mein Hauptbeweggrund das Schicksal der Tiere, dieses Planeten und der Menschen, die unter unserem „westlichen Konsum“ leiden. (Ich kann euch übrigens nur empfehlen, den Film auf Englisch mit Untertitel anzusehen, bei der deutschen Synchronisation geht völlig das Gefühl verloren.)

veganes-essen.png
Vegan zu leben heißt nicht, dass man auf leckeres Essen verzichten muss ❤

Was hat sich verändert?

Ich habe das Gefühl, dass ich nach meiner Umstellung ein ganz anderer Mensch geworden bin. Aufmerksamer, bewusster. Und auch glücklicher.

Ich versuche einfach mal ein paar Stichpunkte zu formulieren:

  • Ich hatte nicht mehr ständig schmerzende Knochen und Gelenke. Zuvor fühlte ich mich immer wie gerädert, das hörte bereits nach der ersten veganen Woche auf.
  • Meine permanente Müdigkeit war wie weggeblasen. Ich schlief damals verdammt viel, fast immer wenn ich nicht gerade am Arbeiten war – jetzt bin ich viel aktiver.
  • Ich mache mehr und mehr Sport und habe immer mehr Verlangen nach Bewegung. Das war ein etwas schleichender aber stetig wachsender Prozess. Es fing an mit regelmäßigem Mountainbiken. Dazu kam dann das Bogenschießen, das Fitness-Studio und nun noch das Laufen. Am Liebsten würde ich jeden Tag etwas anderes machen. Für eine pummelige, ehemals faule kleine Speckbacke gar nicht mal übel 😉
  • Mein Gewicht ging erst deutlich runter, nach der Entdeckung vieler toller veganer Alternativen allerdings auch wieder rauf. Alles in allem bin ich aber in deutlich besserer körperlicher Verfassung und viel leistungsfähiger.
  • Ich hinterfrage mehr, mache mir Gedanken um Inhaltsstoffe, Herstellungsprozesse und Umweltfreundlichkeit meines Konsumverhaltens.
  • Die Sache mit der oft erwähnten reineren Haut ist so ne Sache. Alles in allem ist meine Haut echt besser geworden, was auch nicht zuletzt damit zu tun hat, dass ich im Rahmen meines bewussteren Lebens auch auf viel Kosmetik-Kram verzichte, der Dinge enthält die mir nicht gut tun. Viel Make-Up brauche ich inzwischen nicht mehr, ein wenig getönte Tagescreme und mein Kajal-Stift. Vielleicht noch ein wenig von meinem selbstgemachten Puder – that’s it!
  • Wir essen abwechslungsreicher und sind experimentierfreudiger. Einige Gemüsesorten, die früher eher ignoriert wurde gehören jetzt zu meinen absoluten Genuss-Lebensmitteln. Insgesamt hat sich meine Einstellung zu Lebensmitteln geändert, man isst und genießt bewusster.
  • Man setzt sich mehr mit Vitaminen, Inhaltsstoffen und Mineralstoffen auseinander als je zuvor. Ich weiß viel besser als früher, was ich eigentlich brauche und durch welche Lebensmittel ich mir was gutes tun kann. Und die Auswahl ist echt groß!
  • Das Verlangen nach Dingen von denen ich als Allesesser noch dachte, ich könnte nicht ohne sie leben, ist in vielen Punkten komplett vergangen. Klar probiere ich gerne Ersatzprodukte aus, einfach weil ich neugierig bin und gerne im Blog darüber schreibe, aber tatsächlich ist mir ziemlich egal ob ich jetzt etwas habe, das tatsächlich wie „echte“ Milch oder Käse schmeckt. Nur gut schmecken soll es 😉
  • Mein größtes Problem ist der Umgang mit vielen Nicht-Veganern, da man sich tatsächlich recht oft erklären und rechtfertigen muss und mit ziemlich viel Hass und Spott klar kommen muss, selbst wenn nicht auf „Missionierungs-Tour“ ist. Mit der Zeit kann man besser damit umgehen, aber ärgerlich ist es trotzdem.
  • Man wundert sich tatsächlich über sich selbst, wenn man an sein Leben VOR dem Veganismus nachdenkt. Ich kann echt nicht glauben was für einen Unsinn ich mir und anderen erzählt habe, nur um mich gegen vegane Fakten zu wehren. Sich auf seinen eigenen Quatsch zu besinnen hilft übrigens mit vielen blöden Kommentaren von anderen besser klar zu kommen.
  • Gelegentlich überflutet mich eine Welle von Trauer, Wut und tiefen Mitgefühl, dass mich hin und wieder etwas verzweifeln lässt, wenn man an die eigene Unfähigkeit denkt, das ganze Grauen, dass man ständig wieder vor Augen hat, nicht einfach beenden zu können. Wenn man bestimmte Fakten einmal angenommen hat sind sie schwer wieder zu ignorieren. Und das ist auch gut so!

vegan.png

So, das muss jetzt erst mal reichen. Unterm Strich kann ich euch zusammenfassen: Ich bin ein viel glücklicherer, gesünderer und aktiverer Mensch seit ich vegan lebe. Und das Schönste ist: nicht nur mein Freund lebt das mit mir aus, wir haben auch noch ein anderes Paar, das mit uns all diese Dinge teilt: den Genuss am veganen Essen gehen, gemeinsamen Kochen und jeglichem Sport, den wir in dieser Zeit für uns entdeckt haben. Wir Vier haben eine ganze Menge an Lebensqualität und -freude dazugewonnen!

Vegan leben ist nicht schwer – es ist eine wunderbare Reise die mit einem einzigen Entschluss und vielen kleinen Schritten begangen werden kann. Und auch nach drei Jahren habe ich immer noch das Gefühl, jeden Tag vom Leben dafür belohnt zu werden, weil es mir stetig immer besser geht.

Wenn ihr jetzt auch gerne auf diese Reise gehen würdet aber nicht so recht wie – schreibt mir ruhig. Mein Postfach steht allen neugierigen und aufgeschlossenen Menschen offen!

tgr.png

 

4 comments on “3 Jahre vegan – was hat sich verändert?

  1. Liebe Sue,
    herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum, bei mir sind es jetzt auch schon etwas mehr als drei Jahre. Vielleicht sollte ich auch mal so einen Beitrag verfassen.
    Auch ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wieso warum weshalb ich mal süchtig nach u.a. Käse war… Wäh… Ein richtig toller Bericht, der hoffentlich ganz viele weitere Menschen zum Nachdenken bringt.
    Weiter so, meine Liebe :-*

    Gefällt 1 Person

  2. Ein toller Bericht! Herzlichen Glückwunsch zum Drei-jährigen.
    Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. ❤
    Ich weiß, wir haben schon einmal darüber gesprochen, "Earthlings" ist einer der Filme, den jeder mal gesehen haben sollte. Erst danach wird einem wirklich klar, was man da eigentlich auf dem Teller liegen hat und warum es Menschen gibt, denen beim Gedanken an Fleisch einfach nur noch schlecht wird.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: