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Mommy goes Vegetarian

Ich glaube ja, es ist der Traum eines jeden Veganers, wenn man sieht, dass sich einst so VÖLLIG quer stellende Eltern doch langsam für DAS Thema öffnen.

Auch wenn wir, also Stefan und ich, eher selten belehrend und aufdringlich mit dem Thema umgehen, so ergeben sich doch öfter mal entsprechende Gespräche, einfach weil man von außen drauf angesprochen wird oder einem dann doch mal der ein oder andere Kommentar rausrutscht.

Und beim ein oder anderen Mal hatte ich hier auch eine richtige Wut im Bauch. Wut, weil man sich Sorgen um die Eltern macht, Wut, weil einem die Ignoranz unerträglich vorkommt und Wut über deren Engstirnigkeit.

Ohne jetzt die Krankengeschichte meiner Mutter hier ausbreiten zu wollen kann ich sagen, dass zumindest einige der üblichen Punkte Thema sind, die in engem Zusammenhang mit Konsum von Fleisch- und Milchprodukten stehen.

Klar KANN aber MUSS das nicht daher kommen, aber es zumindest versuchen hätte man es ja mal können… Aber ok, meine Devise ist ja ohnehin eher „Positiv vorleben und kleine Schritte gehen.“

Also hab ich mich schon mal gefreut, als sie meine kleine Mappe mit Rezepten vom Veganizer recht aufgeschlossen angenommen hatte, mit Gerichten die nun wirklich Eltern-gerecht waren und ohne „komische Ersatzprodukte“ auskamen.

Aber ganz ohne Fleisch, das könne sie nicht. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft und ohne wird sie weder satt noch glücklich… Narf.

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What the Health?!

Sicher habt ihr schon von dieser Doku gehört, die aktuell auch auf Netflix erhältlich ist. Ich liebe ja Dokumentationen zu diesen Themen und schaue mir diese auch regelmäßig an. Die Meinungen zu What the Health sind etwas gespalten und ich stimme zu, an einigen Stellen wird etwas übertrieben. Im Großen und Ganzen sagt die Doku aber alles Wesentliche aus, was man selbst ja schon kennt, wenn man sich mit diesen Dingen beschäftigt. Möchte man einen Außenstehenden also mal ins Thema rein bringen ist What the Health gar nicht so verkehrt, zumindest meiner Meinung nach.

Da die behandelten Themen wunderbar auch zu meiner Mutter passen habe ich ihr nebenbei während einer WhatsApp Unterhaltung einfach mal diesen Netflix-Tipp gegeben – und tatsächlich hat sie sich das Ganze angeguckt.

Nur ein paar Tage später steht sie ganz stolz vor mir und teilt mir mit „Ich bin jetzt Vegetarier!!“

Inzwischen sind nun etwas mehr als drei Monate vergangen und sie meint es weiterhin ernst. Wenn ihr Freund, der fürs Kochen zuständig ist, sich selbst ein Schnitzel brät weicht sie auf Bratlinge oder mal ein vegetarisches Schnitzel aus. Ansonsten greift sie gerne auch mal zur veganen Wurst von Edeka und ist inzwischen erstaunlich offen für weitere Alternativen, da so ein vegetarisches Schnitzel für mich natürlich immer noch nicht der Ideal-Zustand ist, aber das behalte ich für mich 🙂 Ich bin nämlich trotzdem sehr stolz auf meine Mutter und versuche hier lieber, ihr weitere Alternativen zu liefern.

Zum Grillen mit Freunden hat sie sich schon selbst Veggie-Varianten mitgebracht, was zum Teil positiv und  zum Teil auch – man kennt es ja – spöttisch aufgenommen wurde. Schmunzelnd habe ich mir dann angehört, wie sie sich über eine Freundin geärgert hat, die ihr irgendwie blöd kam, wo sie doch einfach nur in Ruhe ihren Bratling essen wollte. So langsam merkt sie, wie man sich als Veganer fühlt und wie man angegangen wird, obwohl man doch einfach nur vor sich hin existieren möchte.

Neulich hat sie dann eine Doku über Hühnerhaltung in der Ei-Industrie gesehen. Sie dachte immer „Bodenhaltung“ heißt, dass es da besser abläuft und war schockiert, wie sehr sie sich doch getäuscht hat. Ihr tat das so weh, sie konnte die Doku nicht zu Ende gucken. Dafür kauft sie jetzt keine Supermarkt-Eier mehr sondern holt sie bei einem Bauern hier im Ort, wo sie die Hühner über die Wiesen rennen sieht. Immerhin, da werde ich nicht meckern. Ich freue mich ja echt über jeden Schritt!

So langsam versteht sie mehr und mehr, warum wir leben wie wir leben. Das WIR ja auch Bilder und Videos von Zuständen gesehen haben, die uns in unserem Konsum schwer beeinflusst haben. Sie geht nun ganz anders an diese Themen ran und darüber freue ich mich sehr.

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„Ich bewundere Ihre Konsequenz“

Vor ein paar Wochen stand sie wieder mit Stolz geschwellter Brust vor mir. Sie hätte gerade etwas tolles erlebt! Schuhe wollte sie kaufen. Sonst hätte sie immer gerne die von Rieker gekauft, die ja auch fast immer ohne Leder gewesen wären aber diesmal – oh Schreck – konnte ihr die Verkäuferin nur Schuhe MIT Leder anbieten.

„Dann will ich sie nicht!“, hat sie gesagt. Die Verkäuferin war erstaunt. Warum denn nicht?? Und dann legt sie los, meine Mutti, und erzählt der verblüfften Verkäuferin tatsächlich von den Dingen, die ich meiner Mutter schon vor Jahren mal über die Problematik von Leder erzählt hatte. Und ich dachte, das kam gar nicht so wirklich bei ihr an. Pustekuchen! Sie hat sehr wohl zugehört und es sich gemerkt – und jetzt, wo sie Vegetarierin ist, hat sie sich diese Infos wieder in Erinnerung gerufen.

Nachdem sie dann mit der Verkäuferin etliche Schuhe gesucht und probiert hatte, um endlich ein bequemes Paar ohne Leder zu finden, war die Verkäuferin schwer beeindruckt „von ihrer Konsequenz“. Und tatsächlich sagte sie ihr am Ende des Gesprächs, dass auch sie nun nur noch die bereits vorhandenen Lederprodukte aufbrauchen möchte und künftig darauf verzichten möchte. Meine Mama – das positive Beispiel! Ich gebe zu, ich bin Stolz wie Bolle! 🙂

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Auch kleine Schritte führen ans Ziel

Niemals hätte ich gedacht, dass das Thema bei meiner Mutter nochmal fruchten würde. Ich gab es ehrlich gesagt auch schon verloren. Aber nach 3 Jahren positivem Vorleben hat sich tatsächlich was getan. Und nun steht sie ständig stolz vor mir, um von ihren Erlebnissen zu berichten. Ihren kleinen Schritten und Erkenntnissen, die ihr ein Erfolgsgefühl vermittelt haben. Und das ihr Arzt, bei ihrer letzten Untersuchung (da sie ja, wie gesagt, die ein oder andre bekannte „Volkskrankheit“ hat…) doch tatsächlich mitgeteilt hätte, dass sich  z.B. ihr Cholesterinwert, mit dem sie sich schon so lange rumplagt, bereits etwas verbessert hätte. Ein weiterer kleiner Schritt und ich bin schon gespannt was so raus kommt, wenn sie in einem halben Jahr wieder gecheckt wird.

Alles in allem sind das Momente, die mir Mut machen. Veränderung ist immer ein schwieriger und langsamer Prozess. Aber es ist ganz wunderbar mit anzusehen, wie sich jemand mit Spaß und Freude von diesem neuen Lebensgefühl anstecken lässt und feststellt, dass Dinge, die ihm bis vor kurzem noch so unmöglich erschienen, eigentlich ganz einfach sind.

 

2 comments on “Mommy goes Vegetarian

  1. Wow, das ist absolut großartig 🙂 So erleben wir das mit meinen Schwiegereltern auch gerade. Anfangs ging da gar nichts und jetzt kann es grüner kaum sein – toller Artikel und 1000 Dank für die Erwähnung.
    LG
    Peffe

    Gefällt 1 Person

    • Klasse, es ist wirklich schön, wenn man so unerwartet so positiv überrascht wird! Und ich hab auch zu danken: deine Rezepte hauen halt auch Allesesser vom Hocker, dass war hier echt hilfreich 😉

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