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Wieso, weshalb warum?!

Das Internet fragt – der Grüne Rabe antwortet

Immer wieder stolpere ich in Gruppen und Foren über Kommentare mit Aussagen oder (eher rhetorischen) Fragen, die mich dann nachhaltig beschäftigen. Oft erwische ich mich dabei, wie ich diese Fragen gedanklich beantworte.

Direkt auf solche Beiträge antworte ich inzwischen eher nicht mehr, da doch oft schnell zu erkennen ist, dass solche „Fragen“ eher provozierend als ehrlich interessiert gemeint sind. Aber hey, nehmen wir diese Momente doch zum Anlass und beantworten diese Fragen einfach mal hier, wo sie evtl. noch noch interessierte Zuhörer finden.

Thema heute:

„Wenn Fleisch- & Milchprodukte so ungesund sind, warum ist die Lebenserwartung in Ländern, die diese viel konsumieren, dann am höchsten?“

Zwar wird ein stetiger Konsum von Fleisch und Milch inzwischen klar mit den üblichen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Osteoporose, Herz- Kreislauferkrankungen usw. in Verbindung gebracht,  aber dennoch leben wir hier in unserer so „zivilisierten“ Gesellschaft um einiges länger, als in den von Armut geprägten Ländern dieser Welt.

Warum gerade dieser Vergleich?

Unser Konsum geht hauptsächlich zu Lasten dieser ärmeren Regionen. Damit z.B. die hier lebenden Rinder so wohlgenährt in ihren Ställen stehen und uns mit Massen an Fleisch und Milch versorgen können, benötigen diese natürlich große Mengen an Futter, das aus eben jenen armen Gebieten der Welt importiert wird.

Deutschland zum Beispiel importiert jedes Jahr etwa 5 Millionen Tonnen Soja als Tierfutter. In der Gesamten EU sind es sogar etwa stolze 34 Millionen Tonnen. Dafür wird jede Menge Regenwald abgeholzt, denn immerhin benötigt man allein für diesen Anbau schon ca. 15 Millionen Hektar Anbaufläche, was etwa der Größe von Belgien, Österreich und den Niederlanden zusammen entspricht.

Dieses Futter bezieht man hauptsächlich aus Südamerika, zu Lasten der dortigen Bevölkerung. Diese leiden deshalb nicht nur unter der schlechten Bezahlung, den eingesetzten Chemikalien oder der Vertreibung aus ihren Heimatdörfern (nicht selten mit Gewalt), sondern man entzieht ihnen auch jegliche Lebensgrundlage, da das angebaute Getreide lieber für gutes Geld an reiche Futtermittelbetriebe verkauft wird, als zu einem bezahlbaren Preis an die ärmliche Bevölkerung. Die Folgen sind z.B. Hunger, Heimatlosigkeit, eine miserable Infrastruktur und natürlich auch schlechte medizinische Versorgung.


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Hygienevorschriften, Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und medizinische Versorgung – nicht überall auf der Welt sind diese Dinge so selbstverständlich wie bei uns.

In Ländern wie Afrika sieht es ähnlich aus.

Zum Beispiel werden allein in Deutschland jährlich mehr als 627 Mio. Masthähnchen geschlachtet. Die Deutschen haben allerdings eher ein Interesse an Brust oder Keule, somit bleibt viel vom Huhn übrig, das eigentlich als „Abfall“ entsorgt werden müsste – und das kostenpflichtig! (Nein, das fließt leider nicht alles in die Tierfutter-Industrie oder in Chicken Mc Nuggets…)

Wenn sich Dinge wie z.B. Hälse und Karkassen nicht an Europäer verkaufen lassen werden sie also lieber tiefgefroren in ärmere Gebiete wie Afrika exportiert. Firmen sparen sich die Entsorgungsgebühren und können sogar noch ein wenig Geld mit ihren Resten verdienen. Diese werden dort zu Preisen verkauft, mit denen lokale Geflügelzüchter einfach nicht mehr mithalten können. Somit zerstört man nicht nur die dortigen Märkte und Arbeitsplätze, es kommt auch vermehrt zu Erkrankungen durch keimbelastetes Fleisch, denn die genaue Einhaltung von  Kühlketten wird dort nicht so streng kontrolliert wie in Europa. Auch hier kommt man also zum selben Ergebnis: zerstörte Märkte, Hunger, Krankheiten, mangelhafte medizinische Versorgung.

Das die generelle medizinische Versorgung und Hygienebedingungen in Entwicklungsländern nicht „unserem“ Standard entsprechen, muss ich vermutlich nicht auch noch großartig erklären.

Oder kurz gesagt: Fleisch- und Milchprodukte sind ein Luxusgut, dass hierzulande zwar zum Schleuderpreis erhältlich ist, aber zu Lasten der Armutsregionen dieser Welt geht, in denen diese nur sehr wenig bzw. selten konsumiert werden können.

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Alt ja – aber sind wir auch gesund?

Wie die OECD allerdings schon feststellte geht unsere höhere Lebenserwartung auch mit früh auftretenden gesundheitlichen Einschränkungen einher. Der EU Durchschnitt liegt hier bei etwa 61,5 Jahren, in Deutschland fangen die Probleme bereits ab Mitte 50 an. Tatsächlich gehören wir hier in Deutschland bei Krankheiten wie z.B. Krebs- oder Herzerkrankungen mit zu den Spitzen-Kanditaten.

Natürlich können ‚wir‘ hier auch mit Diabetes und Bluthochdruck, ja sogar mit schweren Krebserkrankungen noch ein ordentliches Alter erreichen, was wir allerdings auch nicht zuletzt unseren Ärzten, Krankenversicherungen und den vielen kleinen Pillen und Spritzen verdanken, die uns selbst schwer erkrankt auch noch über 80 Jahre alt werden lassen können.

Wir haben überall Zugang zu sauberem Trinkwasser, Seife, Desinfektionsmitteln und  es gibt Hygiene-Vorschriften wohin man nur schaut.

Die Frage, warum wir hier, in unserer „hochentwickelten“, sauberen, medizinisch aufpolierten Welt eine höhere Lebenserwartung haben, als in Ländern, in denen Dinge wie Fleisch und Milch (oder überhaupt Nahrung generell…) eher zu einem seltenen Luxusgut gehören, kann somit also vermutlich nur als ignorant oder verdammt naiv eingestuft werden.



Beispiel-Quellen:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-01/exporte-gefluegel-afrika
https://www.greenpeace-magazin.de/das-globale-huhn
http://www.transgen.de/lebensmittel/1049.futtermittelimporte-europa-sojabohnen-gentechnik.html
http://www.zeit.de/2011/51/Soja

1 comment on “Wieso, weshalb warum?!

  1. Einfach mal schön zusammengefasst! Danke dafür.

    Gefällt 1 Person

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