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How to deal with Vegans | 5 Tipps für ein friedliches Miteinander

Manchmal sieht man es den Leuten nicht an. Nur wenige tragen zur besseren Zuordnung eine Vegan-Blume am Shirt oder tragen ein „Vegan“-Halskettchen, damit man sie direkt erkennen und ggfs. meiden kann.

Das ist aber auch gar nicht unbedingt nötig, denn von ein paar Ausnahmen mal abgesehen sind nicht alle Veganer darauf aus, bei jedem Aufeinandertreffen in ausschweifende Grundsatzdiskussionen zu verfallen.

Um mögliche Dramen einfach zu vermeiden habe ich hier 5 Tipps für euch.



Wenn´s dich nicht interessiert –
dann frag auch nicht!

Erfahrungsgemäß regieren die meisten Veganer auf ein unveganes Essens-Angebot einfach mit einem „Nein, Danke“ oder ähnlichem. Oder sie bringen sich zu Feiern direkt selbst etwas mit. Natürlich kann man da nachhaken und die Gründe erfragen.

Oft ist die Antwort „Ich esse nichts tierisches“ allerdings wohl nicht ausreichend. Fast immer werde ich daraufhin nach meinen Gründen gefragt. Sobald ich aber anfange, diese zu erklären geht es los: ich würde missionieren, ich wäre zu extrem, ich würde unterstellen, mein Gegenüber wäre kein Tierfreund nur weil er diese nach dem Streicheln halt auch gerne isst. Seufz!

Ich bin mir fast sicher, dass inzwischen jeder zumindest grob eine Vorstellung davon hat, was Menschen dazu bewegt vegan zu leben. Wenn euch eine ehrliche Antwort auf solche Fragen dermaßen unangenehm ist: fragt doch einfach nicht!

Und ganz ehrlich; ich bin echt froh, wenn ich einfach mal unkommentiert meine Reismilch in den Kaffee schütten darf ohne mich direkt erklären zu müssen.


Bullshit-Bingo einfach mal stecken lassen

„Ich esse ja eh nur ganz wenig Fleisch!“

„Ich hole das NUR Bio vom Bauern um die Ecke!“

„Kühe müssen doch aber gemolken werden!“

„Soja zerstört den Regenwald!“

Ja Leute, wir kennen diese Antworten. Und mal von den 1-2% der Menschen abgesehen, auf die tatsächlich zutrifft, dass sie nur „Biofleisch vom Bauern des Vertrauens“ kaufen (googelt das doch spaßeshalber mal; der Anteil an gekauftem Biofleisch- und Wurst liegt tatsächlich nur bei etwa 1%…) sind solche Aussagen doch vor allem erst mal eines: Rechtfertigungen vor sich selbst.

Natürlich ist es mir nicht egal was ihr esst, klar wäre es mir lieber, ihr würdet euch mir anschließen. Es ist aber nicht mein auserkorenes Ziel bei jedem Gemüsebratling, den ich neben euch verspeise, darüber zu diskutieren woher ihr angeblich euer Fleisch bezieht oder euch über den sonstigen – Verzeihung – Unsinn aufzuklären, den ihr so von euch gebt um euch, warum auch immer, besser zu fühlen. Das kann ich immerhin hier tun.

Versteht mich nicht falsch, solltet ihr tatsächlich Interesse am Regenwald haben erkläre ich euch hier gerne die Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum, Soja-Anbau und Regewald-Rodung und ich mache auch gerne einen Abstecher zur Zwangsbesamung von Milchkühen mit anschließendem Kälbchen-schlachten, wenn ihr tatsächlich an einem Austausch interessiert seid. Nur leider hat die Erfahrung gezeigt, dass es sich hier in der Regel nicht um ehrliches Interesse handelt sondern um schlichte Rechtfertigungen.

Fragt euch doch also einfach vorher, ob ihr wirklich Lust auf eine konstruktive Diskussion habt. Sollte das nicht der Fall sein ist euch auch keiner böse, wenn ihr diese Sätze nicht in den Raum werft. Im Gegenteil.

bullshit bingo
Typische Reaktionen, wenn man mit Veganismus konfrontiert wird. Wenn ihr keine Antwort darauf möchtet solltet ihr solche Aussagen vielleicht einfach sein lassen.

Nur keine Umstände

Ihr erwartet einen Veganer als Gast? Nur keine Sorge, ihr müsst euch weder in Unkosten stürzen noch exotisch kochen. Es reicht schon, wenn ein paar Beilagen verfügbar sind, an die keine Milch oder Butter gehauen wurde. Und hey, ganz ehrlich: mit einem Teller voll Nudeln und Gemüse bin ich schon echt glücklich, ihr müsst mir weder Tofu anbraten noch ein teures Seitan-Steak kaufen. Vielleicht findet sich ja sogar noch ein Klecks Tomatensoße. Und ich bin auch keinesfalls böse, wenn ich mir im Zweifelsfall einfach selbst was mitbringe, dass geht voll klar für mich!

Solltet ihr aber doch lieber selbst etwas anbieten wollen – was ich super nett finde und worüber ich mich immer freue – gibt es auch ganz einfache Möglichkeiten, mit denen ihr euch auch die fleischessenden Gäste nicht vergraulen solltet:

  • macht einen Nudelsalat doch einfach mit Öl (z.B. Kürbiskern oder Olivenöl) und lasst Dinge wie Eier oder Speck ganz einfach weg. Wenn ihr jetzt nicht grade speziell „Eiernudeln“ kauft sind diese im Normalfall tatsächlich auch immer vegan.
  • auch ein Kartoffelsalat, der nur mit Essig und Öl angemacht ist und bei dem einfach auf Speck & Co. verzichtet wurde, ist eine tolle und simple Sache.
  • Nudeln, Reis und Kartoffeln als Beilage sind nie verkehrt, selbst wenn diese zur Not trocken, mit etwas Öl, Tomatensoße oder nur mit Gemüse verzehrt werden ist das absolut ok.
  • traut euch ruhig zu fragen was ihr anbieten könnt oder ob der vegane Gast selbst etwas mitbringen könnte
  • solltet ihr überhaupt nicht dran gedacht haben – oder schlicht auch keine Lust haben, daran zu denken – auch davon geht die Welt nicht unter! Die wenigsten Veganer erwarten, dass gefälligst alle ihre Essgewohnheiten zu kennen haben bzw. auch etwas entsprechendes angeboten werden muss.
spickzettel für gastgeber
Eine kleine Gedankenstütze: Solltet ihr etwas entsprechendes anbieten wollen – diese Dinge werden in der Regel von Veganern gemieden

„Mach doch mal ne Ausnahme!“

Die Entscheidung, diese Dinge nicht mehr essen zu wollen, ist in der Regel gut durchdacht und hat ja auch irgend einen Grund. Egal wie dieser Grund lautet, darauf zu bestehen, der Gast könne „doch mal eine Ausnahme“ machen, ist echt daneben. Liegen die Gründe im gesundheitlichen Bereich wird man sicher von sich aus entscheiden können, ob man hier eine Ausnahme machen möchte oder nicht.

Stecken noch dazu ethische Gründe dahinter wird den meisten Veganern eine Ausnahme undenkbar erscheinen. Ein Drängen auf Ausnahmen ist daher nicht nur unangenehm, sondern auch nervig und provoziert ja schon fast eine „missionarische Antwort“, warum man eben keine Ausnahme machen möchte.

Die Argumentation, dass „Tante Maria sich doch so viel Mühe mit dem Käsekuchen gegeben hat“, „in der Soße doch auch nur ein bisschen Butter enthalten ist“ oder „das Tier doch jetzt eh schon tot ist“, führt vermutlich eher dazu, dass euer Gast angepisst ist, als dass er in Versuchung gerät, sich auf das unvegane Lebensmittel einzulassen.

Lasst ihn seinen Kaffee einfach schwarz trinken oder vor einem leeren Kuchenteller sitzen – und hört auf euch deswegen unbehaglich zu fühlen. Der Veganer hat sein Los ja selbst gewählt und wenn ihr wegen seiner puren Existenz ein schlechtes Gewissen haben solltet fragt euch in einer stillen Minute vielleicht einfach mal selbst, warum das so ist. Aber fühlt euch nicht genötigt das an Ort und Stelle ausdiskutieren zu müssen wenn ihr da eigentlich gar keine Lust drauf habt.


Nimm´s nicht zu persönlich

Sollte es doch zu einer – hoffentlich konstruktiven – Diskussion kommen: fühl dich nicht in deiner Person beleidigt sondern nimm neue Informationen einfach erstmal so hin. Es geht nicht darum, dich als schlechten Menschen darzustellen oder dich in irgend einer Art und Weise abzuwerten.

Die Mehrheit der Menschen hat ihre Verhaltensweisen über viele Jahre anerzogen bekommen, durch die eigenen Eltern, Großeltern und auch durch die Medien sowie die Industrie.

Ich weiß, niemand möchte sich selbst als „schlechten Menschen“ sehen müssen. Darum verstehe ich, dass der indirekte Vorwurf, man wäre für Leid und Zerstörung verantwortlich, erst mal schockt und man sich reflexartig verteidigen möchte.

Erstmal durchatmen.

Die meisten Veganer waren früher auch mal Fleischesser. Auch die mussten neue Erkenntnisse annehmen, verarbeiten und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Wenn ein Veganer also sagt, er lebt vegan, weil er nicht für das Leid der Tiere oder die Zerstörung der Umwelt verantwortlich sein möchte heißt das nicht, dass DU BÖSER FLEISCHESSER EIN SCHLECHTER MENSCH BIST.

Das heißt einfach nur, dass dein Gegenüber sich dieser Erkenntnis gestellt hat und daran nicht mehr weiter teilhaben möchte, so gut er nur kann. Was du jetzt aus diesen Informationen machst liegt ganz bei dir. Wenn du dich aber schlecht fühlst, weil dir diese Dinge doch irgendwie völlig egal sind, ist nicht dein Gegenüber schuld. Auf pure Informationen mit Wut und Ablehnung zu reagieren hilft weder dir noch ändert es etwas an simplen Tatsachen.

Versuche, solche Gespräche ganz objektiv zu betrachten – was du dann daraus machst liegt bei dir. Solltest du absolut keine Lust haben, dich gedanklich mit diesen Dingen auseinander zu setzen, gehe zurück zu Punkt 1: dann frag einfach nicht nach!

8 Kommentare zu “How to deal with Vegans | 5 Tipps für ein friedliches Miteinander

  1. Haha, das ist so gut, Sue!
    „Dann frag nicht nach!“ – Du sagst es. Erfahrungsgemäß wollen bei solchen Gesprächen eher die anderen diskutieren. Zu sagen, man würde missionieren, obwohl man das Gespräch doch selber auf das Thema gelenkt hat, ist echt der Gipfel. Mit solchen Leuten kann man gar keine vernünftige Diskussion führen. Da drehe ich mich direkt weg und essin Ruhe mein TofuTier zu Ende… Sachen gibt’s. Der Satz – Ich esse ja auch nur ganz wenig Fleisch, kommt ECHT immer… Toller Artikel 🌱🖤

    Gefällt 2 Personen

    • Ich bin inzwischen auch eher an dem Punkt, an dem ich so Kommentare abnicke, aber nerven tuts einen ja doch ^^

      Zum Beispiel werde ich bei JEDER Party, die mein Vater feiert, von der selben Person auf das Thema angesprochen, die „ja SO toll findet was wir machen, ABER: (hier kommt dann eine Reihe von wirklich ganz schlimm uninformierten Falschaussagen…)“

      Da beiße ich mir oft so fest auf die Zunge, dass man das fast schon als unvegan bezeichnen könnte -.-

      Naja, musste mal raus, schön (oder traurig XD), dass es so vielen anderen auch so geht 😉

      Hab noch nen tollen Tag! ❤

      Gefällt 1 Person

  2. Dein Bingo ist so wahr! Es ist echt nervig, dass alle immer das Gefühl haben sich rechtfertigen zu müssen oder einen lächerlich machen – und dabei bin ich „nur“ Vegetarier!

    Gefällt 1 Person

    • Tatsächlich wäre es halb so schlimm, wenn man darauf auch einfach mal normal antworten „dürfte“. Das ist aber nicht erwünscht. Man muss sich so Sätze an den Kopf knallen lassen, egal wie unsinnig sie sind, und hat das gefälligst unkommentiert stehen zu lassen, sonst ist man der nervige Missionar…

      Gefällt 1 Person

      • Damit hast du leider sehr recht. Ist schon eine komische Welt, in der man nicht anders sein darf ohne andere zu stören und selbst, wenn es dabei nur im Essen geht 😦

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  3. Vegan leben ist ein Anfang, aber derzeit leider kein Tierschutz. Wir müssen uns auch für die Rechte von Tieren auf dem juristischen Weg einsetzen. Was nutzt es einem Tier, das jetzt hier bei uns leidet, wenn wir vegan essen. Das hilft ihm nicht.
    Die Tiere in der Massentierzucht brauchen jetzt unsere Hilfe. Und meines Erachtens können wir leidenden Tieren hier nur helfen, wenn sie juristisch nicht mehr als Sache gelten, sondern als Lebewesen oder Person. Erst dann kann der Tierschutz richtig durchgreifen.
    Ich war total geschockt, als ich las, dass die Tiere die wir nicht (mehr) essen jetzt nach China exportiert werden. Wir schonen also gar keine Tierleben. Darum ist Vegan leben ist ein sinnvoller Anfang, aber derzeit leider noch kein Tierschutz.

    Gefällt 1 Person

    • Grundsätzlich stimme ich dir zu, da muss auch auf politischer Ebene eine Änderung stattfinden. Aber natürlich muss bzw. sollte man immer zunächst damit beginnen, Veränderungen an sich selbst vor zu nehmen, bevor man diese von anderen verlangt. Das ist der erste, schnellste und einfachste Schritt von vielen, die noch kommen müssen. Eine politische Veränderung ist nicht so einfach zu erreichen, dass wird auch noch etliche Jahre dauern, aber ich denke schon, dass hier über die nächsten Jahrzehnte eine Veränderung eintreten wird. Auch wenn hier noch einiges quer steht.

      Mich wundert es eigentlich nicht, dass ein Unternehmen, dass hier nun weniger Umsatz macht (wenn auch nur minimal bei dem geringen Anteil an Vegetariern und Veganern) versucht seinen Umsatz zu halten bzw. weiterhin jährlich zu steigern. Und sei es eben durch Export.

      Es sind ja auch keine Schritte, die nur in Deutschland oder Europa gegangen werden, auch in anderen Ländern findet eine Veränderung statt. Erst wenn dort auch keiner bzw. weniger Menschen Fleisch kaufen wird so ein Unternehmen irgendwann gezwungen sein, komplett umzudenken.

      Ich bin mal gespannt wie sich das verhält, wenn China nun tatsächlich schaffen sollte seinen Fleischkonsum bis 2030 um 50% zu senken, das ist ja auch keine unerhebliche Menge die dann wegfallen würde.

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  4. Sehr guter Beitrag! Ich mag deine Ansicht 🙂

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