FAQ

Häufige Fragen & Aussagen, die jeder Veganer regelmäßig zu hören bekommt – und die Antworten dazu

F:            Was kannst du eigentlich noch essen?

A:       Sehr viel. Mal vom reichen Angebot an Obst & Gemüse, Nudeln, Reis, und Hülsenfrüchten abgesehen gibt es viele Möglichkeiten diese so miteinander zu kombinieren, dass etwas super-leckeres dabei rauskommt. Man muss also nicht immer nur Möhrchen knabbern, man kann sich viele klassische Gerichte auch neu erfinden. Z.B. lässt sich Kohlrabi und Knollensellerie so zurechtschneiden und panieren, dass ein fantastisches „Schnitzel“ dabei herauskommt. Und auch aus Seitan und Tofu lassen sich tolle Beilagen zum Gemüse zaubern. Ansonsten braucht man auch gar nicht zwingend eine „Fleisch“-Beilage, eines meiner Lieblingsgerichte, der Bulgursalat mit Kichererbsen, ist auch „pur“ ein Gedicht, sättigend und reich an Vitaminen und Nährstoffen. Für eine kleine Übersicht schaut doch mal >>>hier rein<<<

F:            Tofu? Aber das schmeckt doch nach nix!

A:           Genau wie Mehl. Zum Beispiel. Es ist alles eine Frage der Zubereitung. Tofu ist ein Bestandteil eines Rezepts, der ,wie bei vielen anderen Lebensmitteln auch, in Kombination mit anderen zu einem Gericht wird. Ob das gut, scheiße oder nach gar nix schmeckt, kommt auf die Zubereitung an. Wobei es auch viele Veganer gibt, die mit Tofu so gar nichts anfangen können. Am Ende ist auch das einfach nur Geschmackssache.

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F:       Warum überhaupt Ersatzprodukte? Veganer sollten doch auf alles Fleischähnliche verzichten!

A:        Zunächst mal ist Fleisch nur ein Geschmacksträger. Die wenigsten essen Fleisch roh und ungewürzt, sondern braten es an und verwenden Gewürze und Soßen bevor sie es essen. Mit Seitan, Tofu (den ich eigentlich auch nicht als Ersatzprodukt sondern als eigenständiges Lebensmittel betrachte) oder Knollensellerie wird nur der Geschmacksträger ausgetauscht. Außerdem gibt es viele Veganer, die zwar den Geschmack von Fleisch eigentlich mögen, aber eben die negativen Konsequenzen nicht mittragen wollen. Da ist es doch schön, dass man auf einfachem Wege eine Alternative finden kann.

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F:            Für Tofu und Sojamilch wird aber der Regenwald gerodet!!!

A:           Jain. Es stimmt, dass der weltweite Soja-Anbau zu großen Umweltproblemen und Regenwaldrodung führt. Genmanipulierter Soja und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schaden hier zusätzlich. Allerdings wird nur etwa 2% vom weltweiten Soja-Anbau für menschliche Nahrung verwendet. Den Hauptanteil verkauft man als Tierfutter.

                Wusstet ihr, dass die EU jährlich ca. 34 Millionen Tonnen für Tierfutter importiert? Die dafür beanspruchte Landfläche beträgt 15 Millionen Hektar, was der Gesamtfläche von Belgien, Niederlande und Österreich entspricht. Allein Deutschland importiert jährlich schon 5 Millionen Tonnen für Tierfutter, was 2,8 Millionen Hektar Land entspricht. Das ist eine Menge Regenwald, die hier fallen muss.

             Und jetzt fragt euch mal selbst, wie oft ihr beim Kauf von Fleisch, Wurst und Milchprodukten (oder Kuchen, Keksen, Chips, Schokolade etc.) nachgeforscht habt, woher das Futter für die Tiere dahinter stammt. Nun sind Veganer aber gerne penible „Kriwwelschisser“ (wie man bei uns so schön sagt ^^), die wollen wissen woher ihre Lebensmittel kommen. Das wissen die Hersteller von veganen Soja-Produkten und haben entsprechend reagiert. So kommt Soja für diese Produkte inzwischen hauptsächlich aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Kanada – und das meist in Bio Qualität. (siehe z.B. Taifun-Tofu)

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F:            Aber Soja ist total ungesund und krebserregend!

A:        Tatsächlich kann Soja, in großen Mengen verzehrt, auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Die empfohlene Menge hier liegt bei 300g Tofu bzw. 800ml Sojamilch (die übrigens nur zu etwa 2-4% aus Soja besteht) am Tag. Das ist richtig viel. Im Gegensatz dazu beginnt die krebsfördernde Wirkung von Fleisch und Wurst schon bei 50g täglich.

                Und glücklicherweise gibt es ja nicht nur Milch aus Soja, sondern auch aus Reis, Mandeln, Hafer oder Dinkel. Zum Beispiel.

                Trotzdem bin ich auch der Meinung, dass Tofuprodukte, also insbesondere so Fertig-Zeugs, nur als Ausnahme verzehrt werden sollte, weil Fertigprodukte, egal ob Omnivor oder Vegan, immer eine Ausnahme bilden sollten wenn man sich gesund ernähren möchte.

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F:            Vegane Ernährung führt doch zu Mangelerscheinungen!

A:           Ein Mensch, der sich schlecht ernährt, wird immer an einem Nährstoffmangel leiden, egal ob vegan oder nicht. Tatsächlich interessieren sich ja aber viele (natürlich nicht alle) Veganer sehr für Ernährung und Inhaltsstoffe. Auch was Vitamine und Mineralstoffe angeht. Abwechslungsreich zu essen ist für viele selbstverständlich, genau wie darauf zu achten alle Nährstoffe, die man benötigt, abzudecken. Das geht mit pflanzlicher Nahrung sehr gut. Viele Dinge, wie z.B. Eiweiß oder Eisen, sind in pflanzlicher Nahrung sogar mehr und verwertbarer enthalten, als in Fleisch- und Milchprodukten. Das Gerücht, gewisse Nährstoffe wie z.B. Eiweiß wären in pflanzlicher Form weniger verwertbar, ist bereits seit Jahren widerlegt. Tatsächlich wird schon in Fachliteratur von vor 10 Jahren darüber gesprochen, dass dies längst „kein aktuelles Wissen“ mehr sei. Natürlich hält sich so ein Gerücht gut und gerne, wo es doch eine tolle „Ausrede“ liefert. Sieht man sich aber die ganzen veganen Hochleistungssportler und Bodybuilder an sollte man nochmal überlegen, ob da echt was dran sein kann. Davon abgesehen würde ich mich fragen, wie es so viele Veganer dann geschafft haben so lange fit und gesund zu bleiben. Oder denkt nur mal an unseren neuen Joker „Jared Leto“. Der lebt seit über 20 Jahren vegan, sieht mit seinen 44 Jahren noch mächtig knackig aus und scheint bisher noch nicht vom Stengel gefallen zu sein.

F:            B12!!!!einself

A:          Zum einen: Ja, B12 wird von den meisten Veganern supplementiert. Dazu muss man nicht unbedingt Tabletten schlucken und man sollte auch darauf achten, kein chemisches Cobalamin zu sich zu nehmen. Ich selbst genehmige mir jeden Tag einen Spritzer aus einer Pumpflasche unter die Zunge. Das war´s, tut nicht weh. Inzwischen wurden aber auch schon pflanzliche Granulate aus einer Queckenart entwickelt, die tatsächlich aktives und natürliches B12 enthalten. Diese zu sich zu nehmen ist in etwas so „künstlich“ als würde man Haferflocken essen um seinen Eisenhaushalt aufzupolieren.

               Zum zweiten: Wer weiß, wie B12 zustande kommt, sollte misstrauisch werden, was den B12 Gehalt in tierischen Produkten betrifft. Wichtig hier wäre nämlich, dass z.B. die Kühe auf nährstoffreichen Wiesen grasen dürfen, wo Mikroorganismen schön aktiv werden können. Nun sind unsere Wiesen aufgrund unseres Düngeverhaltens weder sonderlich nährstoffreich, noch wird viel darauf gegrast. Kühe erhalten genauso ihren Anteil an Soja-Futtermitteln wie anderes Schlachtvieh auch. Und auch sonst – ihr Futter kommt aus dem Trog und hat mit der natürlichen Nahrung nicht unbedingt viel zu tun. B12 wird so jedenfalls keins gebildet. Aber macht nichts, auch Kühe kann man supplementieren. Natürlich nicht mit dem teuren, aktiven Arten wie z.B. Methylcobalamin, sondern vielmehr Cyancobalamin, der synthetischen Variante. Findet sich übrigens auch öfter mal in Bio-Hunde- und Katzenfutter. Unterm Strich will ich damit nur sagen: wenn eh schon supplementiert wird, dann lieber direkt bei mir selbst, mit einer Cobalaminquelle meiner Wahl, anstatt den Umweg über ein anderes Lebewesen zu nehmen. Wirklich „unnatürlicher“ finde ich das ehrlich gesagt nicht.

F:            Jaja.. Tiere schützen, aber die Menschen sind euch egal?!

A:           Klares NEIN. Die Entscheidung, vegan zu leben, hängt nicht nur mit dem Wunsch nach Tierschutz zusammen. Wer ein paar Minuten seiner Zeit investiert wird schnell feststellen, dass Menschen – vor allem in Armutsgebieten – sehr unter unserem westlichen Fleisch- und Milchkonsum leiden. Das könnte ich jetzt natürlich wortreich und zu Tränen rührend ausführen, würde hier aber den Rahmen sprengen. Fragt euch an dieser Stelle doch einfach mal selbst, wie es den Menschen in den Regionen geht, in denen Futter-Soja und –Mais angebaut wird. Sind das alle wohlgenährte, gut situierte Menschen in Festanstellung und Eigenheim? Oder eher billige, ausgenutzte Arbeitskräfte die regelmäßig den Hungertod sterben, wenn sie nicht durch die Pestizidbelastung vorher schon umkommen und von ihrem Land vertrieben werden, weil da ein neues Soja-Feld hingehört? Damit die deutschen Rinder schön dick und saftig werden und wir uns vorbeten können „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!“? Das ist „lustiger“weise sogar richtig. Es ist die Lebenskraft der anderen, der Menschen und Tiere, denen sie geraubt wurde und die wir uns nun schmecken lassen. Hurra!

F:            Aber Leder wäre doch ein Abfallprodukt, wenn man es nicht verwenden würde. Besser ist doch ALLES vom Tier zu verarbeiten!

A:           Wäre es theoretisch schon (soweit man da überhaupt von „besser“ reden kann), würde man das tatsächlich tun. Leider ist das Leder, dass wir hier in unseren gängigen Bekleidungsgeschäften finden, keineswegs ein „Überbleibsel von Schlachttieren“. Tatsächlich stammt es in der Regel aus Indien. Dort kauft man armen Bauern ihre Rinder ab, treibt diese hunderte Kilometer durchs Land in eine Region, in der man sie Schlachten darf (ist zum Teil in Indien ja verboten, aber halt nicht überall). Auf dieser Reise werden die Tiere gequält, geschunden und erhalten kein Wasser und keine Nahrung. Wenn sie nicht weitergehen können bricht man ihnen den Schwanz oder reibt ihnen Chili ins Auge, damit der Schmerz sie weitertreibt. Um sie am Ende dann grob auseinanderzunehmen.

                Die Angabe „Made in Germany“ bezieht sich übrigens nur auf die Verarbeitung des Produkts, nicht auf die Herkunft des Leders oder dem Ort, wo es gegerbt wurde. (Auch eine Arbeit, die man lieber in der 3. Welt verrichten lässt, ist es doch schmutzig und gesundheitsschädlich). Unterm Strich ist Leder also genau so grausam, wie es Pelz auch ist. Nur Gesellschaftlich anerkannter.  

F:            Aber wir brauchen doch den Tiermist für die Landwirtschaft! Oder sollen wir jetzt alles mit Chemie düngen???

A:           Davon abgesehen, dass genau dieser extreme Einsatz von Tierdung unsere Felder völlig zugrunde gerichtet und die Nitratwerte im Grundwasser zu katastrophalen Ausmaßen getrieben hat, würde kein halbwegs zurechnungsfähiger Veganer vorschlagen, statt dessen mit Chemie zu düngen.

Bio-Vegane Landwirtschaft ist ein Zweig, der immer mehr im Kommen ist. Die Möglichkeiten mit richtiger Fruchtfolge und gut geplantem Anbau bzw. pflanzlichem Dünger gute Erfolge zu erzielen sind gegeben. Natürlich müssen diese für den Massenkonsum (der übrigens auch dringend angepasst werden sollte) noch weiter entwickelt und angepasst werden. Aber daran wird gearbeitet. Davon abgesehen existieren einige Gnadenhöfe, die Tiere aufnehmen ohne sie auszubeuten und ihnen ein Zuhause und ein schönes Leben bieten. Deren Dung, der ja ohne Zwang auf ganz natürliche Weise entsteht, stünde auch noch zur Verfügung. Überhaupt halten Menschen sich im allgemeinen doch recht gerne Tiere, ohne sie als Gegenleistung schlachten und verspeisen zu wollen. Da muss man für Kühe und Schweine keine Ausnahme machen, auch die kann man einfach nur liebhaben ohne sie mit der Gabel zu pieksen.

F:            Und jetzt? Die Tiere müssen ja auch alle irgendwo hin, wir können ja jetzt nicht alle Veganer werden! Man kann die ja jetzt nicht alle frei laufen lassen! (also die Tiere, nicht die Veganer :P)

A:           Niemand erwartet, dass alle plötzlich über Nacht vegan werden. Man könnte einfach „aufbrauchen“, was jetzt noch da ist, aber damit aufhören weiter Schlacht- und Milchvieh zu züchten. Dann wäre auch irgendwann Schluss damit. Ganz einfach.

F:            Ich esse sowieso nur ganz wenig Fleisch und wenn dann auch nur Bio und vom Bauern um die Ecke, wo ich weiß wo es herkommt!

A:           Mal davon abgesehen, dass auch Bio- und Weidefleisch/Milch unterm Strich keinen Unterschied in Bezug auf Nachhaltigkeit oder Ethik machen – höre ich das ständig. Tatsächlich hatte ich dann aber schon oft die Gelegenheit einen Blick in den Kühlschrank jener, die so reagieren, zu werfen und stelle fest: Bullshit!

                Sorry, aber is so. In der Regel ist da immer 0/8/15 Fleisch von Lidl und Aldi drin, sowie zig Wurstwaren. Dazu eine breite Auswahl an Pudding, Butter, Joghurtdressing, Schokolade, Saure Sahne… usw. Wo auch keiner weiß, wo es herkommt. Und selbst wenn…

Wenn ihr euer Fleisch WIRKLICH nur vom Bauern um die Ecke kauft, der die Tiere so lange streichelt bis sie vor lauter Glück den Löffel abgeben – schön. Aber leider ist diese Reaktion in der Regel einfach gelogen. Für mich macht das im Endeffekt zwar wenig Unterschied, trotzdem wäre es schön, wenn die Leute mal etwas ehrlicher zu sich selbst wären. MIR müsst ihr ohnehin nichts beweisen.